06 - (16-Mar-21)

Dominique: Tata ist heute etwas schreibfaul, deshalb darf ich heute übernehmen.

Dominique: Der Tag ging los bei der Deutschen Botschaft, wo wir den Kanzler, Patrick Dzierzon, getroffen haben. Ursprünglich war der Plan sogar den Botschafter treffen zu können, da wir mit ihm bisher gezoomt hatten. Er ist leider aber gerade mit seiner Frau in Kenya im Urlaub. Wir fanden es cool, dass sich die Deutsche Botschaft Zeit für uns nimmt, aber es ist natürlich ein sehr kleines Land. Das Gespräch war recht nett, aber wirklich spannend oder gut fanden wir es dann doch nicht. Patrick ist super freundlich, aber machte den Eindruck, dass er selbst etwas resigniert ist, in Anbetracht den Schwierigkeiten des Landes. Er hat zB erzählt wie sich gerade die letzte große Deutsche Firma (eine Tochterfirma von Heidelberg Zement) sich aus Sierra Leone zurückzieht. So richtig optimistisch, dass sich das Land in den nächsten Jahren bessern wird ist er auch nicht. Er vermittelte uns auch eher das Gefühl, dass er unser Unterfangen mutig fand, da er dauernd eher von negativ Erfahrungen erzählte. Wir arbeiten zum Beispiel gerade recht hart dran einen Erlass des Zolls zu kriegen, welcher Mehrkosten von ~1600€ bedeuten würde. Obwohl sie einen Erlass garantiert haben, zahlt die Botschaft inzwischen meistens lieber den Zoll, weil sie es selbst Satt haben, dass es sich sonst immer alles so lange zieht und man über zehn Ministerien gehen muss. Wenn man aber vom deutschen Staat bezahlt wird und keine persönliche Motivation hat verstehe ich aber auch, dass man es sich nicht zum Arbeitsalltag machen will die Sierra Leonische Bürokratie zu bekriegen.

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Dominique: Gestern Abend ist mein Handybildschirm komplett kaputt gegangen. Da hätte ich mir echt einen anderen Ort als Freetown gewünscht und innerlich hatte ich mich schon von meinem Handy verabschiedet. Wir hatten, aber super Glück durch unsere neuen Expat-Freunde vom Wasserpolo, einen Kontakt für die Reparatur zu kriegen, wo es als nächstes hinging. Mit Freetown Verkehr hats sich etwas gezogen.

Dominique: Eine Sache die echt nervig ist, ist das Einbahnstraßen nicht ausgeschildert sind, sondern man von Straßenverkäufern darauf hingewiesen ist, kurz bevor man reinfährt. Das nervige daran ist aber, dass es gefühlt immer einen Polizisten in der Nähe gibt für die das gefundenes Fressen ist, um einen anzuhalten. Das war bei uns heute auch der Fall. Dieses mal waren es aber ganze fünf Polizisten die uns herausgewunken haben und unser Auto umstellt haben. Dies sowie die Tatsache, dass ich nicht angeschnallt war (Schnalle ist kaputt) wurde uns als criminal offence erklärt. Tata meinte, dass sie ja angeschnallt seie, aber der Polizist erklärte, dass es nur um den Fahrer ginge - “because of Corona” (?).

Dominique: Es wird immer gedroht, dass man verhaftet werden könnte deswegen. “In Sierra Leone we enforce the Law” wurden wir erinnert. Man seie aber nett, deshalb wäre eine 400.000 Leones (~32€) Strafe auch in Ordnung - außerordentlich freundlich. Wir haben ein mal als Sambo dabei war 50.000 le gezahlt, was seitdem unser Referenzpreis für die Polizei ist. Ich habe erklärt, dass wir nur 50.000 dabei hätten: “mmm, no problem that ok too”. Nachdem wir das dann gezahlt hatten waren sie aber super freundlich und haben gefragt wie wir heißen, was wir sonst so machen und wo wir jetzt eigentlich hingehen. Wir waren gerade dabei einen Parkplatz zu suchen und durften dann einfach da stehen bleiben, wo wir rausgewunken wurden. George, einer der Polizisten hat auch noch nach meiner Whatsappnummer und Email gefragt damit wir in Kontakt bleiben können und hat vorgeschlagen, dass wir ein Foto machen

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Dominique: Freue mich auf die email

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Dominique: Mit einem sehr schnell reparierten handy gings weiter zu National Sports Authority (NSA). Der Sportminister hat uns gestern verbal zugesagt, dass er uns den Zoll erlässt, aber die NSA muss erst den Antrag hierzu stellen. Auf dem weg wurden wir wieder zwei mal von der Polizei angehalten. Den Gurt hatte ich mir unter den Oberschenkel geklemmt, sodass dieses Mal die Profiltiefe unsere Reife bemängelt wurde. Beide Male konnten wir uns rausreden, mit einer ‘Verwarnung’. Da wir aber in dem Tempo bald fast jede(n) Polizist:in in Freetown kennengelernt haben fragen wir uns ob dann wirklich was passiert.

Dominique: Unsere Erfahrung bisher ist, dass wenn wir wirklich etwas kleines falsches gemacht haben (in eine Einbahnstraße fast reingefahren, falsch eingeordnet trotz fehlender Schilder) wir es akzeptieren was zu zahlen und sonst uns eigentlich recht stur versuchen rauszureden. Würde bei diesen Dialogen mein Kardiogramm sehen würde man vermutlich denken ich wäre gerade dabei einen marathon zu laufen, aber es ist echt wichtig sich trotz Ahnungslosigkeit nichts anmerken zu lassen und ruhig zu bleiben (wie schön, dass wir BWL studiert haben).

Dominique: Beim NSA meeting hatte einer der Mitarbeiter mal hockey gespielt was hilfreich war. Wir wurden gebeten aber erstmal einen Brief und Antrag zu schreiben, damit sie den Prozess initiieren können. Wir haben dann ein formell aussehendes Dokument schnell mit einem Google Doc im Wartezimmer erstellt, ihn von einem der Beamten drucken lassen, unterschrieben und eingereicht. Kurz fühlte es sich an als würde zum ersten mal in einem dieser Ministerien etwas mit einem enormen Tempo vorangehen.

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Dominique: Am Nachmittag trainierten wir mit dem Sierra Hockey team. Es ist echt krass wie sich das Hockeyspiel mit den Gegebenheiten der einzelnen Vereine anpasst. Bei Sierra Hockey ist das Feld groß, aber sehr staubig, sodass sie mit vielen hohen Schlenzbällen spielen, welche weit übers Feld gehen und oft aus der Luft aufs Tor gehauen werden, ähnlich wie Flanken beim Fußball. Es brennt aber auch viel Plastik neben dem Spielfeld, sodass es unglaublich in der Lunge kratzt beim spielen. Mein Gesicht war nach 30 Minuten auch komplett verstaubt.

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