11 - (21-Mar-21)

Dominique: Reisetagebuch Tag 13

Vor einigen Tagen hat uns Mimo gefragt, ob wir heute mit ihm Angeln gehen wollen. Mimo haben wir über die Expat Community kennen gelernt, beim Floor hockey & beim Waterpolo. In Sierra Leone gibt es eine große libanesische community. Mimo ist Libanese und schon seit der 3. Generation in Sierra Leone und Krio ist somit seine Muttersprache. Ihm gehört ein Hotel hier in Freetown. Er ist häufig in Europa, da er einen Sohn hat, der in Antwerpen lebt. Wir hatten uns sehr gefreut, dass er uns eingeladen hat - aber zugleich keine Ahnung was uns erwarten wird.

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Tatjana Hoesch: Interessanter Musikgeschmack Mimo

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Dominique: You deleted this message.

Dominique: Um 8 Uhr haben wir uns bei ihm getroffen und sind dann mit seinem Auto losgefahren zu dem Ort (Tokeh Beach) an dem sein Boot steht. In der Stadt haben wir noch bei einem Libanesischen Bäcker gehalten und super leckeres Za’atar Pitas geholt. Dann ging die wilde Tour los. Aus der Stadt raus, hat Mimo auch erstmal ordentlich aufs Gas gedrückt. Anfangs war es noch eine gute Straße (von den Chinesischen gebaut, was sonst), dann ging es aber schnell auf eine Gravel Road Straße. Für Mimo war das kein Grund langsamer zu fahren und so wurde selbst die Autofahrt schon zu einem Abendteuer. Noch wussten wir immer noch nicht was uns erwarten würde. Dann hat Mimo uns aber ein bisschen seiner letzen Bootstouren erzählt wie er letztens genose-dived ist und sich überschlagen hat mit seinem Boot. (Keiner hatte sich verletzt)

Dominique: Als wir am Strand angekommen waren, haben einige Sierra Leoner das Boot vorbereitet und wir haben Ice, ein enger libanesischer Kumpel von Mimo kennengelernt. Ein verrückter Typ. Als Tata und ich noch beeindruckt waren von dem schönen Strand ging es dann direkt los. Auf dem Boot waren Mimo, Ice, Tata, ich und noch zwei Sierra Leoner (Dennis und Tommi). Nach einer guten Strecke haben wir dann geankert. Dann haben Mimo, Ice & Dennis sich ready gemacht und ihre Speerfisch Ausrüstung angezogen und sind ins Wasser gehüpft und wild rumgetaucht. Tata und ich haben uns erstmal dick Sonnencreme aufgetragen. Dann haben auch wir Taucherbrille und Schnorchel bekommen und sind rumgemacht. Das Wasser ist wirklich sehr klar und man konnte den anderen richtig gut beim Speerfischen zuschauen. Da Wasser war circa 8-10 Meter tief, was anscheinend für die geübten Lungen kein Problem zum abtauchen war. Ab und zu haben sie auch etwas erwischt. Dann nach einem Bierchen ging es zu einem anderen Spot. Da hat jeder eine Schnur mit Haken und Köder bekommen und über die Bootskante „geangelt“. Gefischt wurde am Laufenden Band. Ice hat nur noch im Tempo die Tiefkühltruhe aufgemacht und meinte „aim vor the backboard“ und so wurden die Fische da rein geklatscht. Tata war die deutlich bessere Anglerin von uns beiden und hat sogar mehr Fische als Ice und Mimo gefangen. An mich ging zunächst erstmal nur der Trostpreis für bester Fischfütterer, da die Fische bei mir anscheinend eine einfache Zeit hatten nur den Köder abzuknabbern ohne am Haken anzubeißen.

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Tatjana Hoesch: video omitted

Tatjana Hoesch: video omitted

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Dominique: Nachdem wir mehrere Spots noch ausprobiert haben, weil Ice größere Fische wollte („we want big fish“) und er sich eine Zigarre angezündet hat, sind wir zu einer Insel gefahren. Auf der Insel gibt es bei Flut einen natürlichen Whirlpool. Während Ice ein paar Dronenbilder gemacht hat, haben wir die Insel erkundigt und von den Mandelbäumen und Mandeln geholt, sie aufgeschlagen und gegessen. Danach wurde nochmals geschnorchelt und dann hat uns Ice vom Wasser aus sein Strandhaus gezeigt.

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Dominique: Wieder am Strand angekommen, waren wir noch super hyped über den aufregenden Tag. Wieder im Auto hat Mimo uns noch motiviert beim Waterpolo am Nachmittag mitzumachen. 30 min erschlagen von der Sonne konnten wir unsere Augen nur noch schwer offen halten. Bei Mimo zuhause angekommen, hat er uns noch sein Haustier gezeigt. Ein 5 Jahre altes Krokodil namens Croc. Croc hatte er damals aufgenommen, als er verletzt war in der Wildnis.

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Dominique: Als wir noch kurz mit ins Haus gegangen sind, haben wir Jessica kennengelernt, eine Deutsche die seit 5 Jahren Krankenschwester und Hebamme in Sierra Leone in den Provinzen ist. Ursprünglich wollte sie mitkommen, aber hat aktuell leider Malaria. Nachdem wir einen unglaublich positiven Tag hatten, wo wir die unglaubliche Schönheit des Landes erleben konnten, wurden wir direkt mit einer der Schattenseiten konfrontiert. Ein großes Problem bei Geburten ist, dass viele Frauen beschnitten sind. Da Narbengewebe sich nicht richtig dehnt, muss vielen Frauen ein Dammschnitt gemacht werden, damit das Baby rausgedrückt werden kann. Das ist bei den meisten Frauen der Fall, da 90% der Mädchen/Frauen beschnitten sind. Jessica meinte es wird, aber besser. Mein erster Gedanke: 90% ist eine alte Statistik, aber falsch gedacht. Vor 10 Jahren waren es angeblich noch 98%. Jessica erklärt uns, dass während es spirituelle Motivationen dafür gibt, es effektiv an einer patriarchischen Gesellschaft liegt, in der Männer das Risiko, dass Frauen fremdgehen, minimieren wollen. Ohne Klitoris wird den Frauen jeglicher Spaß am Sex genommen wird.

Dominique: Ich hatte schon öfters von Beschneidungen bei Frauen gehört, aber wußte nicht genau ‚was‘ beschnitten wird. Es gibt vier verschieden Stufen von Beschneidung.
I. Beschneidung der Klitoris
II. Beschneidung der Klitoris und der kleinen sowie großen Schamlippe
III: Infibulation: Beschneidung der Klitoris und der kleinen sowie großen Schamlippe. Dazu wird noch die vaginale Öffnung verkleinert (zunähen der Scheide). Dies ist der Fall für circa 5% der Frauen in Sierra Leone, laut Jessica.
IV: Jegliche weitere Schäden, die der Frau zugefügt werden. Jessica hat zum Beispiel erzählt, dass manchmal Säure in die Scheide gerieben wird.

Dominique: Für viele Mädchen ist es unfreiwillig und passiert im Alter von circa 14 Jahren, „meistens während den Schulferien im Sommer“. Oft werden die Mädchen angeblich von der eigenen Familie entführt, um sie aufs Land zu bringen, wo die Beschneidung durchgeführt wird. Meistens von der Dorfältesten Frau, auch ‚Sowa‘ genannt. Die Mädchen sollen nicht weinen hierbei. Um sie davon abzuhalten wird bei denen die weinen Erde in die Vagina verstreut, angeblich manchmal sogar zermahlene Glassplitter.

Dominique: Wir haben gefragt warum Mütter es selber wollen würden, dass ihren Töchtern sowas angetan wird. Ein großer Faktor ist, dass es bei ihnen genauso ist und Teil der Kultur ist. Jessica hat uns erklärt, dass sich aber gerade das inzwischen etwas bessert und die Mädchen es inzwischen mit 18 selber entscheiden können. Warum würde man sich dafür entscheiden? Angeblich sind Vorbildfunktionen älterer Frauen, sowie Brauch in der sozialen Gruppe (vermutlich auch Druck), immer noch Grund genug für manche Mädchen sich selbst dazu zu entscheiden.

Dominique: Mit gemischten Gefühlen zum Tag und einer unglaublichen Müdigkeit der Sonne sind wir am Nachmittag dann ins Hotel gefahren (Waterpolo haben wir leider abgesagt), wo wir nach einem kurzen Nap ein paar privaten Arbeitsthemen wie Uni und co. gewidmet haben.

Tatjana Hoesch: https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/weibliche-genitalverstuemmelung/unser-engagement/aktivitaeten/genitalverstuemmelung-in-afrika/fgm-in-afrika/1465-sierra-leone

Tatjana Hoesch: Eine gute Zusammenfassung über FGM in Sierra Leone

Dominique: Morgen machen wir erstmal einen Arbeitstag, um weiter mit Uni und co. aufzuholen. In der kommenden Woche kommt der Container an, welchen wir hoffentlich bis Ende der Woche (🤞) aus dem Hafen kriegen. Ebenso wollen wir jetzt endlich die Erlaubnis kriegen das Stück Land für den Bau des Hockeyplatzes bearbeiten zu können, damit wir Angebote für die Asphaltieren und Umzäunung einholen können. Hierzu sind Besichtigungen des Landes mit den Firmen notwendig.