15 - (26-Mar-21)

Tatjana Hoesch: Hallo ihr Lieben,

Erinnert ihr euch an die Fotos auf denen uns der Cousin von Mariama die Maße genommen hat, um uns für die anstehenden Afrikaner Days einzukleiden? Gestern haben wir sie erhalten. Die Männer tragen meistens diese Afrikaner Hemden und ganz wichtig ist, dass dazu eine lange Hose getragen wird (Armer Dome bei 30 grad). Die Frauen tragen schöne Kleider/Röcke in Kurz und lang.

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Dominique: You deleted this message.

Tatjana Hoesch: Heute Vormittag haben wir lange auf den Anruf unserer Zollagenten gewartet. Die haben nach unserem Besuch gestern das notwendige Formular bearbeitet, welches wir beim Finanz Department abgeben müssen, um den Duty Waiver dort absegnen zu lassen, um dann final den duty waiver vom Sportministerium bestätigt bekommen. Die Zoll Agenten meinten: „We bring it there first thing in the morning.“ Wurde dann 14.00Uhr. Sambo und Mike sind zu unserer Unterkunft gekommen und haben sich sehr gefreut, uns beide in Afrikaner Kleidung zu sehen. Sie haben uns auch Krio-Namen gegeben. Dome ist Sahr und ich bin Sia. Als wir dann ins Auto gestiegen sind, haben sie uns auch noch ganz aufgeregt ein Afrikaner Shirt gezeigt, dass sie uns für Conny mitgegeben haben, der hat natürlich auch einen Namen von denen bekommen - Samwa.

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Tatjana Hoesch: Auf dem Weg zum Finanzdepartment an der Kreuzung beim National Stadium war ich kurz geschockt. Da stand ein Polizei Autos mit 6 Polizisten in Uniform, die Peitschen und lange Bambusstöcke in der Hand hielten. Recht aggressiv sind sie von dem Auto runtergesprungen. Dann sind sie auf Kinder los, kleine Jungs, und haben auf sie eingeschlagen. Wir haben dann Sambo gefragt was die da machen und er meinte, die bestrafen die Kinder, die sich aus der Schule rausschleichen und den Unterricht schwänzen, um an den Mädchenschulen rumzulungern. Für mich war das sehr erschreckend, Dome wusste aber schon, dass die Polizei hier so oft vorgeht, wenn sich nicht an die Regeln gehalten wird. Er hatte damals von locals ein paar Videos zu Bestrafungen der Corona Maßnahmen gesehen.

Dominique: Bei unserem letzten Besuch in Sierra Leone hatten Conny und ich unsere Nummer einigen Leuten gegeben. Teils wurden wir auch ein paar Whatsappgruppen hinzugefügt, wo manchmal Fotos und Videos zum aktuellen Geschehen im Land geteilt wurde. Was ich damals ganz verrückt fand war die Reaktion des Staates auf Corona. In Europa hatte man ja am meisten Angst vor dem Unbekannten. Das was man noch nicht über den Virus wußte und vor allem starke Reaktionen durch den Staat motivierte. Von dem was ich mitbekommen habe war es in Sierra Leone so, dass man einfach ähnliche Maßnahmen wie in anderen Ländern eingeführt hat. Teils aber mit einem sehr willkürlichen touch, wie zum Beispiel spontanen drei-tages Lockdowns. Was aber das eigentlich verrückte war war wie diese durchgesetzt wurde. Das Militär ist mit peitschen und Schlagstöcken auf die Straße gegangen und hat sich die Leute vorgenommen die sie dann noch gefunden haben. Mich hat das damals sehr getroffen zu sehen. In Deutschland regt man sich - teils zu recht - über manche Maßnahmen der Bundesregierung auf. Für manche scheinen diese auch als teils willkürlich. Als ich im letzten April, wo ich die Videos gesehen habe, habe ich mir noch mal gedacht was für ein Glück wir noch haben Corona in einem Land wie Deutschland zu erleben - auch wenn vieles dort noch besser laufen könnte - und wie Corona für Menschen in anderen Ländern ganz andere Konsequenzen hatte und immer noch hat. Alleine, dass ein ‘Staat’ so willkürlich, aggressiv und demütigend gegenüber seinen eigenen Bürger:innen handeln kann ist etwas wo ich sehr dankbar bin in Deutschland von verschont zu sein.

Tatjana Hoesch: Guter Dinge an dem Finanz Department angekommen, dachten wir es geht weiter mit dem fertigen Dokument der Zoll Agenten. Doch dann wollten die direkt eine Zahlung als Documentation Fee. Also sind wir zur naheliegenden Bank gelaufen, doch dann hatten die uns gesagt, wir können die Zahlungen nur vor 14 Uhr machen (die Bank selbst war natürlich noch offen und im vollem Betrieb, nur das Konto war das Problem). Demnach geht es Montag wieder dorthin. Mittlerweile haben wir das Gefühl, dass man bei jeder Station mindestens zweimal aufkreuzen muss, weil immer was „schief“ geht - was sonst.

Tatjana Hoesch: Sehr enttäuscht mit der Verschiebung auf Montag haben wir uns auf den Weg in die Straßen gemacht. Zwar sehen wir schon fast wie locals aus in unserer Afrikaner Kleidung, allerdings können wir bisher erst sehr wenige Worte auf Krio. Deshalb haben wir uns ein Krio - Englisch Buch gekauft. Krio ist eine Form von gebrochenem Englisch, welche sich damals als Sprache bei den Sklaven entwickelt hat. Die Sprache ist eine Mischung aus englisch, französisch, portugiesisch und den Landessprachen.

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Dominique: Ist auch online verfügbar (hat der Verhandlungsposition beim Feilschen geholfen)

http://www.sierra-leone.org/Books/1985_Peace_Corps_Krio_Manual.pdf

Tatjana Hoesch: Mit dem Krio Buch im Rucksack sind wir dann zu einem Ort, bei dem Moneygram (ähnlich wie Western Union) Überweisungen ausgezahlt werden. Mittlerweile Moneygrammen wir uns das Geld, da in den meisten Fällen die ATM´s kein Geld haben oder der Höchstbetrag den man auf einmal abheben kann 400´000 LE (32€) sind. In einem Hinterhof ging es dann hoch zum Geld abholen. Oben angekommen, wurde tatsächlich das Fieber gemessen und auf die Maske aufmerksam gemacht. Ich hatte sie natürlich brav angezogen, aber beim warten meinte Sambo (sich mit seiner Maske in der Hand Luft zu wirbelnd): „Tata take you mask off, it is way too hot in here“. So viel zu der Ernsthaftigkeit der Corona Maßnahmen. Wie gesagt Maske reicht, aber ob sie im Gesicht ist oder in der Hand macht keinen Unterschied.

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Tatjana Hoesch: Da Dome sich noch ein etwas lockereres Afrikaner Hemd und ich mir Sandalen kaufen wollte, sind Sambo und Mike mit uns in eine Halle gegangen in der lauter afrikanische Sachen verkauft werden. Es war wirklich sehr schön die afrikanischen Schnitzereien, Masken, Schmuck und Kleidung zu sehen. Anfangs sind wir auch noch kurz geschlendert doch dann wurde es schnell sehr hektisch. Sämtliche Frauen und Männer sind auf einen zugegangen und eh man etwas sagen konnte haben sie Röcke um die Hüfte gewickelt, den Fuß in einen Sandalen gesteckt und einem etwas um den Kopf gewickelt. Dann habe ich immer versucht nett zu sagen, dass ich nicht auf der Suche nach neuen Klamotten bin. Teilweise haben sie einen auch ausgetrickst. Als ich an einem Punkt war wo die Frauen teilweise sehr aagressiv versucht haben ihre Sachen an mich zu verkaufen, meinte ich: „I really need to go back to my friend“. Dann meinte der eine Mann ganz nett, „follow me, he is over dea“. Und auf dem Weg meinte er so, ach ja das ist übrigens mein Laden. Dome war da nirgendwo in der Nähe. Puh. Erschöpft nach diesen hektischen Marktbesuch ging es nach Hause und wir haben den Abend mit Kevin, einem deutschen, beim Pizzaessen ausklingen lassen.

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