16 - (28-Mar-21)

Tatjana Hoesch: Gestern war ein aufregender Tag! Klaas, ein Mitarbeiter einer deutschen NGO, hat uns auf eine Hochzeit eines Sierra Leonischen Dorf Chiefs eingeladen. „Stellt euch ein auf viel warten, ganz viel lärm (Musik) und da wird noch ein Hut rumgereicht in dem Geld gesammelt wird - ach ne waren das Beerdigungen oder Hochzeiten? Ich bring das immer durcheinander. Ist hier irgendwie recht ähnlich.“ Klaas arbeitet für die deutsche NGO „Forikolo“ (www.forikolo.de), welche auch in dem Dorf Forikolo und Umgebung ist und Schulen baut. Der Ort liegt nördlich von Freetown, in der Nähe des Flughafen bei Lungi. Forikolo hat schon über 20 Schulen in Sierra Leone gebaut in den letzen 20 Jahren. Wir sind mit Forikolo in Kontakt gekommen, da wir uns vorstellen könnten in der Zukunft Hockey als Angebot an einiger ihrer Schulen zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit einer deutschen NGO würde nämlich einiges einfacher machen.

Tatjana Hoesch: Samstag früh 7.00 Uhr sind wir in unseren Africana Outfit in ein Keke gestiegen und zur Fähre gefahren, die einen nach Lungi bringt. Für uns beide war es tatsächlich die allererste Hochzeit im Leben und dann gleich eine afrikanische. Der Keke Fahrer hat wilde Abkürzungen genommen, da wir unbedingt vor 8.00 Uhr an der Fähre sein mussten, da die Fähre nur im 3h Takt fährt. Pünktlich angekommen haben wir uns auf die Fähre begeben und es wurde immer voller, bis wir dann um 8.50 dann auch mal los sind. Viel Stress um nichts also. Es gibt unterschiedliche Fähre, einmal die Speedboat zum Flughafen, welche eher teuer ist (50€) und dann die Fähre die wir genommen haben, welche die locals nehmen und sehr günstig ist (0.65€ für die zweite Klasse). Die beiden fahren, aber an ganz anderen Orten ab und in ganz anderen Geschwindigkeiten. Auf der Fähre wurde wild Essen, Schminke, Handykabel etc. Auf den Köpfen tragend verkauft. Dann haben wir auch gesehen wie eine Mutter ihr vielleicht schon 4-jähriges Kind einfach auf dem Boden, auf dem auch andere Leute saßen, hat pinkeln lassen.

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Tatjana Hoesch: Nach dieser langen und leicht hektischen Fahrt sind wir dann in Lungi angekommen. Dort hat Klaas mit einem local Mitarbeiter mit ihren Mopeds auf uns gewartet. Hinten drauf sind wir zu ihnen nach Forikolo ins Büro gefahren. Die Strecke war sehr schön, mit viel Palmwald und alles sehr viel ländlicher und ruhiger als in Freetown. Das Büro ist recht klein und besteht aus 5 Zimmern. In einem von ihnen wohnt Klaas auf einer Matratze. Es gab schnell noch einen instant-coffee Cappuccino (überraschend gut), da Klaas niedrigen Blutdruck hat und vom Arzt verordnet bekommen hat, dass er mehr Kaffee trinken soll. Dann wurden noch die Hochzeitsgeschenke eingepackt und ein „Letter of Appreciation“ für die Hochzeitseinladung geschrieben und mit einem Stempel versehen. Stempel sind in Sierra Leone unglaublich wichtig. Ohne wird ein Brief anscheinend nicht ganz ernst genommen. Wir sollten uns wohl auch mal einen machen. Doch dann ging es noch nicht direkt zur Hochzeit. Die Hochzeit wird nämlich in zwei Teile aufgeteilt. Zu Beginn wird die Frau erst in ihrem Zuhause abgeholt und dann zur eigentlichen Hochzeit gebracht - das war zu weit weg und dann hat Klaas die Zeit genutzt, um uns eine Tour zu geben.

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Tatjana Hoesch: Gemeinsam mit seinem Arbeitskollegen Sillah sind wir zu einer Stelle an einem Wasserarm des Meeres gefahren und dort haben sie uns gezeigt wie sie die Backsteine für die Schule, welche sie letztes Jahr gebaut haben, hergestellt haben. Der erste Schritt war bei Ebbe die Erde, welche einen unglaublichen hohen Lehmanteil hat, sehr auszuheben. Das ist angeblich unglaublich anstrengend, da die Masse sehr schwer und klebrig ist. Der Lehm wird dann auf der Erde ausgebreitet, wo er drei Tage hingelegt wird, damit das Wasser zum Großteil verdunstet. Eigentlich muss das 7 Tage trocken, aber sie waren unter immensen Zeitdruck. Das ganze war unglaublich stressig, da sie kaum Zeit hatten. Klaas hat gemeinsam mit den Dorfbewohnern zwei Monate lang tag und nacht an den Backsteinen gearbeitet, da sie sonst andere Deadlines gerissen hätten. „Das hat Forikolo fast zum Zusammenbruch gebracht. Viele der lokalen Arbeiter haben öfters hinterfragt warum sie das eigentlich machen und wir auch. Am Ende hat es uns Zum Glück sehr zusammengeschweißt“ Auch Abu, der Leiter der lokalen Organisation, welcher inzwischen gewähltes Parlamentsmitglied auf national Ebene ist, hat angepackt und ist vor Erschöpfung neben den Backsteinen eingeschlafen. Nach dem Trocken werden sie geformt und wieder weitere 3 Tage getrocknet. Anschließend werden die Backsteine noch erhitzt. Normal sollten sie eine Hitze von 1200 grad, aber sie haben es nur auf 800 grad erhitzen können, da sie Holz und keine Kohle benutzt haben. Insgesamt mussten sie 60.000 Backsteine für drei Gebäude erstellen.

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Tatjana Hoesch: 100 Meter weiter waren dort auch noch locals die in einer riesigen Öltonne Palmöl produziert haben. Das passiert durch die sehr ölhaltigen Früchten. Die Früchte werden zuerst geschält. Dann gibt es zwei runden der Ölextraktion. Zuerst wird die äußere Schicht gepresst, um da Öl daraus zu gewinnen. In einer zweiten Runde wird dann noch mal der Kern gepresst, welcher ein anderes Öl hat. Beide Formen von Öl werden dann gekocht, damit unter anderem das übrige Wasser verdunstet.

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Tatjana Hoesch: Danach sind wir noch weiter gefahren in ein anderes Minidorf mit vielleicht 20 Gebäuden. Am Anfang haben wir dann halt bei der Hütte des Chiefs gemacht, um hallo zu sagen. Das ist eine typische Prozedur der Höflichkeit, welches man dem Chief des Dorfes leitstet. Der Chief des Dorfes kannte Klaas und hat uns dann auf seinem Motorrad bis zum Wasser begleitet. Dort war damals ein Hafen aus der Kolonialzeit auf dem Sklaven rausgeschickt wurden zur Bounce Island. Die Bounce Island war ein Sklavenhandel Punkt von dem die Sklaven nach Amerika und teilweise auch nach Europa geschickt wurden. Wenn sie das Gesetz gebrochen haben, beispielsweise, hat der Chief des Dorfes diese als Sklaven weiter verkauft. Wenn ein Vater verschuldet war, dann hat er einen seiner Söhne oder Töchter als Sklaven verkauft. Der alte Hafen wurde nicht nur zum Sklavenhandel genutzt, sondern auch zum verschicken von Gütern nach Freetown. Man konnte auch noch Reste einer Straße vom alten Hafen hoch sehen, welche die Briten zu ihrer Kolonialzeit gebaut hatten. Das Regenwasser hatte sich aber schon einen Graben durch die Mitte dieser gebahnt, sodass ein riesiger spalt, mit einem Meter tiefe, sich durch die Straße zog. Der Anlegeplatz war auch schon etwas eingebrochen, da jemand mal mit Dynamit gefischt hatte und nicht sehr vorsichtig war. Es war gerade auch Ebbe, sodass sich das ganze Wasser aus dem Hafen gezogen hatte. Über das Ende des Anlegeplatzes blickend, konnten wir auch sehen, dass jemand dieses Gefälle auch für seinen Stuhlgang genutzt hatte. Gut, dass die nächste Flut schon im Anmarsch war.

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Tatjana Hoesch: Eine weitere super spannende Denkmal an die damalige Zeit ist die Ruine des Gebäudes des Paramount Chief - der höchsten Position in einer Region, insgesamt gibt es 13 paramount chiefs in ganz Sierra Leone - in dem unter anderem beschlossen wurde, wer als Sklave verkauft werden sollte. Es war super spannend die Geschichte uns von den Locals anzuhören und gleichzeitig die Reste die geblieben sind zu sehen. Klaas hat dem Chief des Dorfes auch empfohlen die Informationen über die Geschichte von den Dorf Älteren zu sammeln und aufzuschreiben, da es spannende „Sehenswürdigkeiten“ sind und es sehr schade wäre, wenn die Informationen verloren gehen. Für uns war es unglaublich spannend zu hören, aber für den chief schien es alles andere als selbstverständlich, dass andere Leute sich dafür interessieren könnten. Vielleicht ein bisschen wie man sich selbst manchmal über die vielen chinesischen Tourismus in Deutschland wundert.

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Tatjana Hoesch: Als nächster Stopp haben wir die Schule in Mathen besucht, an der Klaas und das Team aktuell arbeiten. Klaas ist mit Begeisterung dabei und hat uns eine Tour über das Grundstück gegeben und uns gezeigt wie er sich alles in der Zukunft vorstellt. Es stehen bereits 3 Gebäude, primary school, junior und senior high school. Dazu baut Klaas gerade an einem Bildungszentrum, an der die Absolventen der High school die Möglichkeit bekommen, Wassertechnik & Agrarwirtschaft zu lernen. Sie haben sogar direkt neben der Schule Fläche an denen sie in der Praxis üben können. Neben den Schulgebäuden, baut Forikolo auch sämtliche Wassertanks- und Filteranlagen auf. Es wird auch einen Menstruationsraum geben. Mädchen die ihre Tage haben kommen meistens nicht zur schule, da sie entweder nicht den Raum zur Körperpflege haben oder es nicht hygienisch ist. Der Raum soll die Funktion haben das Thema zu normalisieren, damit nicht nur die Jungs jeden tag zur schule kommen können.

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Dominique: Klaas hatte auch noch einen letzten Ort den er uns zeigen wollte, bzw. Eine Person die er uns vorstellen wollte: Ignazio. Ignazio ist ein ehemaliger Pastor aus Italien, der jetzt in seinen 50ern ist und ein kleines Krankenhaus in der Nähe von Forikolo betreibt. Er ist der Organisator des Krankenhauses in dem vor allem Operationen durchgeführt werden, welche er für die Anwohner zu einem günstigeren Preis als die öffentlichen Krankenhäuser anbietet. Neben seinem Krankenhaus hat er vor einem Jahr ein kleines “Hotel” aufgemacht was man sich eher als einen tropischen Garten mit Übernachtungsmöglichkeiten (Lehmhütten oder Zelte) vorstellen sollte als ein Hotel. Einen kleinen Pool und Wellnessbereich für Massagen und Schlammbad gibt es trotzdem. Für Sierra Leone wirklich ein enormer Luxus. Iganzio’s Idee hinter dem Hotel ist mit den Profiten das Krankenhaus finanzieren zu können. Eine Übernachtung in den Lehmhütten kostet circa 140€ und in den Zelten 50€ die Nacht.

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Dominique: Ignazio und ich hatten leider zunächst leichte Kommunikationsschwierigkeiten: “Klaas, i do not-e understand-e this guyzz englisch-e. You do the explaining please” (stellst es euch einfach mit einem starken italienischen Akzent gesprochen vor). Haben uns trotzdem gut verstanden. Mein persönliches Highlight waren die Affen im Garten. Eigentlich bewegen sie sich dort frei rum, aber da sie am Vortag recht penetrant den anderen Gästen Essen geklaut hatten hat Ignazio sie in einen größeren Käfig für den einen Tag getan. Es schien aber als wäre der Wille wichtiger gewesen als die Umsetzung, da von den vier Affen schon einer sich befreit hatte als wir ankamen und während wir da waren ein weiterer auch schon einen Weg rausgefunden hatte. Die Affen waren unglaublich zutraulich und alles andere als schüchtern. Ich habe mich ein wenig verloren beim spielen mit ihnen, sodass ich mir von Tata anhören musste, dass ich ja mindestens genauso fanatisch nach diesen Affen seie, wie ich zuvor meinte, dass sie es nach Samira (Tochter von Sambo) wäre. Jedem das seine. Ich war auf jeden Fall fasziniert wie ähnlich die Affen uns sind. Die Hände sehen wirklich, mit allen Falten und Fingernägeln, aus wie unsere und genauso tun es die Ohren - diese sind allerdings bei diesen Affen überproportional zum Kopf.

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Dominique: Wenn ein Wunder passiert und Tata mit ihrer Bachelorarbeit richtig vorankommt und ich mal mit der Uni aufgeholt haben sollte, dann wollen wir noch mal ohne Laptops und Handy’s herkommen um zwei Tage runterzukommen.

Dominique: Endlich ging’s zur Hochzeit. Wir waren schon spät dran und hatten Angst einiges schon verpasst zu haben. Als wir ankamen waren jedoch erst 30 Leute in Plastikstühlen auf dem “Dorfplatz” versammelt. Glück gehabt? Naja nicht wirklich, scheinbar wartet man in Sierra Leone nicht nur gerne auf Regierungsbeamte, sondern auch bei Hochzeiten. Wir haben circa 2-3 Stunden gewartet bis das Ehepaar kam. Aber es gab Musik. Und Klaas hatte nicht übertrieben als er gesagt hat, dass sie unglaublich laut sein wird. Es wurden die größten Boxen aufgestellt die es wahrscheinlich in der Region zu finden gab. Ziel war es scheinbar das ganze Dorf zu beschallen, was ihnen glaube ich auch gelungen ist. Wir konnten uns nur ab 30cm Entfernung verstehen. Dennoch konnte Tata es bei einem kleinem Müdigkeitsanfall dennoch schaffen bei der Musik einzuschlafen. Mit dem Warten hatte Klaas also auch nicht gelogen. Das mit dem Korb waren allerdings wohl doch die Beerdigungen.

Dominique: Mit der zeit kamen immer mehr Gäste dazu und die Stimmung baute sich immer mehr auf. Irgendwann kam eine Caravane an Autos und wir dachten, dass endlich das Brautpaar da wäre. Das war allerdings eine andere Hochzeit auf der anderen Seite des Dorfplatzes. Die hatten theoretisch auch eigene Musik, aber ich weiß nicht wie erfolgreich das war, mit der scheppernden Riesenanlage auf unserer Seite. 20 Minuten später kam ein Bus mit Generator und einer (weiteren) Musikanlage auf dem Dach durchs Dorf gefahren - ähnlich wie in Köln bei Karnevalsumzügen. Davor tanzte eine Gruppe von sicher 50 Menschen, inklusive einer Fußballdamenmannschaft, die in Schritttempo entlang tanzten. Erinnerte mich an Karneval der Kulturen in Berlin. Leider war es aber - anders als wir wieder dachten - nicht mit er Ankunft des Brautpaares gebunden. Weiter ging die Warterei. Eine Sache die uns immer mehr und mehr auffiel war, dass viele Gäste das gleiche Muster anhatten. Vielleicht die Familie der Braut oder des Bräutigams? Klaas erklärte uns dann, dass das der offizielle Stoff der Hochzeit war. Dazu eingeweiht zu sein ist eine große Ehre. Den Stoff im Gegenzug zu tragen ist dem Brautpaar gegenüber ein besonderes Zeichen des Respekts.

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Dominique: Endlich kam dann das Brautpaar und dann ging es noch mal richtig ab. Alle tanzten wie verrückt und wäre die Musikanlage nicht schon die letzten drei Stunden am maximum gewesen hätte man diese sicher auch noch mal aufgedreht. Das Brautpaar ging im Kreis um die Gesellschaft am Dorfplatz und wurde meistens von einer Traube an Menschen umringt und begleitet. Zuvor waren sie im Dorf der Ehefrau. Die Tradition ist es, dass der Ehemann die Frau aus ihrem alten Dorf abholt, um sie zu sich und ihr neues Zuhause zu holen. Angekommen ging aber alles ganz schnell. Nach 10 Minuten war der Ehemann im Gespräch mit einzelnen Personen, unter anderem mit Klass der ihnen die Geschenke im Namen von uns allen überreichte. Für die Frau gab es Pantoffeln und Kleider. Für den Mann gab es Schreibpapier, Stifte und Aktenordner. Es war nämlich nicht nur irgendein Chief, sondern der Sector chief, die höchste Position nach dem Paramount chief - die Reihenfolge ist Paramount chief, Sector Chief, Chief, Dorfsprecher.

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Dominique: Im Anschluss wurden dann Gruppenfotos mit dem Chief, dem Forikolo Team und dann auch uns genommen. Als der Chief dann auch sich dann auch noch uns zugewandt hat und sich einzeln bei uns für das Erscheinen bedankt hat, haben wir uns sehr gefreut, das dieses “hohe Tier” sich die Zeit nimmt auf seiner Hochzeit. Er hat auch direkt nachgefragt, wann er uns wieder sieht. Man konnte in seinen Augen erkennen wie groß seine Freude am gestrigen Tag war. Anschließend haben wir noch mit 1-2 Gästen geredet, die Lehrer sind in den von Forikolo gebauten Schulen. Was wir noch nicht ganz einschätzen können, ist wie das Niveau der Lehrer und des Unterrichtes hier in Sierra Leone ist. Auf meine Frage, was für Fächer sie unterrichtet, kam die Antwort: “I do Classes”.

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Dominique: Danach sind wir gegangen, weil wir noch die 8 Uhr Fähre zurück erwischen mussten. Mit einem kurzen Halt in Forikolo im Büro, bei dem wir noch einen Obstteller bekommen haben, sind wir dann in Richtung Fähre gefahren. Auf der Rückfahrt haben wir das First Class Ticket genommen. Die First Class auf der Fähre befindet sich in der Mitte des Schiffes und bietet Sitzplätze und Tische an. Preislich kostet das normale Ticket für die 1h Fahrt 60ct.. Das First Class Ticket mit €1.30 ca. Das doppelte. Dennoch gab es eine wilde und laute Mischung an Musik aus den Lautsprechern, zu denen Tata mal wieder einschlafen ist. Angekommen sind wir mit Klaas, seinem local Mitarbeiter und uns beiden in einem Keke in die Stadt gefahren. Nach wilden Verhandeln, hat uns der Keke Fahrer mitgenommen, einen nach vorne und wir drei nach hinten. Auf der Strecke ist der Mitarbeiter von Klaas plötzlich ausgestiegen und wir waren verwirrt, weil er seine Sachen im Keke gelassen hatte. Dann hat uns Klaas aber erklärt er läuft eben nur an der Polizei vorbei und steigt gleich wieder ein. Es ist nämlich verboten noch eine Person vorne sitzen zu lassen. Die Keke Fahrt war sehr wild allgemein. Nicht nur war es das aggressive Fahrverhalten des Fahrers sondern auch die wilde Musik mit vielen Soundeffekten und das grelle Licht, was er angemacht hat - ein richtiges Partykeke. Ein langer Tag ging zu Ende.

Dominique: Heute haben wir wieder für die Uni gearbeitet und am frühen Nachmittag nochmals eine Runde Waterpolo mit der Expat Community gespielt. Morgen geht es weiter mit dem Prozess Duty Waiver, wir sind gespannt!