17 - (29-Mar-21)

Tatjana Hoesch: Reisetagebuch Tag 20

Dominique: Heute ist wieder ein Bürokratietag geworden. Nachdem ich etwas für meinen Job an der Uni rausgeschickt habe sind wir los zur Bank, wo wir endlich die Zahlung für unseren Duty waiver machen konnten. Letzten Freitag waren Zahlungen auf das spezifische Konto ab 14 Uhr nicht mehr möglich, obwohl bei der Bank reger Betrieb herrschte. In der Schlange von sechs Menschen vor uns haben wir circa 90 Minuten gewartet. Danach sind wir zum Finanzministerium gegangen (zum Glück um die Ecke). Kurz davor sind wir auf Sambo‘s Vorschlag hin in das Verwaltungsgebäude für Buchhaltung nebenan gegangen. Sambo hat dort einen Freund, der bei dem Büro im Finanzministerium angerufen hat, um sicherzustellen dass sie uns nicht warten lassen. „They will fast Track the process“ hat sambo gesagt. Im Finanzministerium sind wir erstmal alle am Sicherheitscheck durchgelaufen, wo zwei Soldaten uns nicht mal angeschaut haben als der Metalldetektor laut gepiepst hat als wir alle durchgelaufen sind. Im Finanzministerium mussten wir letztendlich nur die Quittung der Einzahlung zeigen, welche dann von ihnen gestempelt wurde. Damit ging’s dann mal wieder zu unserem besten Freund, den Zollagenten.

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Dominique: Die Dokumente müssen gescannt werden, damit der Antrag für den Duty waiver offiziell beim Sportminister vorgelegt werden kann. Wir selbst können die Dokumente nicht scannen, da angeblich mit einem internen System gearbeitet wird. Der einzige Manager der aber die Rechte hat die Dokumente zu unterzeichnen war nicht anwesend. Nach zwei Stunden wurde uns dann endlich gesagt, dass er eigentlich in einem langen Meeting ist. Gut zu wissen. Sie haben uns versprochen, dass sie das Dokument aber so schnell es geht Einscannen werden. Ich zweifle da komplett dran. Letzten Donnerstag hatten wir Dokumente vorbeigebracht die sie in ein anderes Formular übertragen mussten. Das würde aber drei Stunden dauern, also haben sie uns gesagt dass wir gehen können uns sie das Dokument beim Finanzministerium „first thing next morning“ vorbeibringen würden. Der ‚Morning‘ startete dann allerdings um 14.30 was der einzige Grund war warum wir letzten Freitag die Zahlung nicht machen konnten. Die Arbeit von heute hätten wir dann eigentlich letzten Freitag machen können.

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Dominique: Eine Frechheit kam noch dazu als wir im Auto saßen und kurz davor waren loszufahren. Uns wurde angeboten, dass wir den Prozess „fast-tracken“ könnten. Alles nicht umsonst natürlich. Wenn wir 500.000 Le (40€) zahlen, könnten sie es noch heute schaffen die Dokumente zu scannen. War das nicht das was sie uns eben versprochen hatten?! Tata und ich haben uns gegenseitig im Auto mit einem ähnlichen Blick der Frustration angeschaut. Es ist 17 Uhr und man hat mal wieder den ganzen Tag nichts anderes gemacht als zu warten. Die Aussicht einen Tag da rauszukürzen für 40€ ist echt attraktiv. Gerade wo wir echt andere Sachen noch zu tun hätten. Zugleich unterstützt man aber auch das ‚System‘ und motiviert die Leute das gleiche bei den nächsten Personen in unserer Position auch zu machen. Trotz großer Frustration haben wir nach einer kurzen Besprechung uns dagegen entschieden. Auf Mikro-Ebene wäre es zu 100% schlauer und effizienter zu zahlen. Aber wie schön dass wir solche Sturköpfe sind, um die irrationale Entscheidung treffen zu können die Korruption nicht mitzumachen. Ich habe der Dame vom customs agent gesagt, die gerade noch in unserem Autofenster hing, dass die Tatsache, dass wir im April vier 40-Fuß Container hierhin schicken mehr als genug incentive sein sollte, dass das ganze zeitnah passiert und dass wenn es extra Bestechung benötigen sollte für solche Prozesse, wir zu 100% mit einem anderen customs agent zusammenarbeiten werden.

Dominique: Mennah, die customs agent dame, hat gesagt sie will schauen ob sie den Manager doch noch finden kann. Daraus ist dann noch eine stunde warten geworden. Juhu?

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Dominique: Tata‘s persönliche Highlight war’s, dass wir in der Zeit eine vernünftige Toilette finden konnten, nachdem sie seit Ankunft beim customs agent auf Toilette gemusst hatte und es vermeiden wollte, nochmals auf die „Toilette“ unserer Custom Agents zu gehen wie vor 2 Wochen. Toilette ist vielleicht das falsche Wort, es ist eine Fläche hinter dem Haus ohne jegliche Mauer oder irgendwas, auf die Menschen drauf pinkeln und wenn man groß muss, auch dieses tun, was uns auch immer noch schockiert, dass nichtmal die Mitarbeiter der Custom Agent irgendeine Form von einer Toilette besitzen. Doch nach 2h warten konnten wir dann doch im Gebäude nebenan eine Toilette finden.

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Dominique: Leider war das unser größter Erfolg heute bei unserem Trip zu den Custom Agents. Abgemacht ist nun, dass sie die Dokumente bis morgen scannen und dann direkt an das Sport Ministerium zu schicken, der dann den Duty waiver endlich freigeben kann. Außerdem brauchen wir die Unterschrift des Sport Ministers auch noch für die Erlaubnis, dass wir den gekauften Container als Lager am National Stadium erstmal aufbewahren dürfen. Wir haben große Bedenken, dass der Sport Minister erreichbar sein wird, da morgen das wichtige Fußballspiel Sierra Leone vs. Benin stattfindet in Freetown, bei dem Sierra Leone seit mehr als 25 Jahren wieder die Chance hat sich für den Africa Nations Cup zu qualifizieren. Ein großer Tag und wir hoffen noch drauf dabei sein zu können! Das National Stadium ist in einem so schlechten Zustand, dass in der Regel keine Länderspiele darauf ausgetragen werden und das es dieses mal nur mit einer Sondererlaubnis möglich ist.

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