19 - (31-Mar-21)

Tatjana Hoesch: Heute hatten wir uns geblockt, um für die Uni zu arbeiten. Klingt langweilig und ich hätte auch gedacht, dass wir dementsprechend heute den Reisetagebuch Eintrag ausfallen lassen. Aber irgendwie ist heute dann doch so viel wirres Zeug passiert.

Tatjana Hoesch: Ganz ruhig hat der Tag begonnen, denn wir haben bei uns im Zimmer gearbeitet. Mittags wollten wir dann einmal schnell zur Apotheke, um ein Medikament zu holen. Auf dem Rückweg wurden wir mal wieder von der Polizei angehalten. Nach >30 willenslosen sind Sorgen und Stress komplett auf der Strecke geblieben. Inzwischen ist man wirklich nur noch genervt, dass man jetzt 5-10 diskutieren muss, um weiterfahren zu können. Inzwischen sind ja auch prächtig in Übung und Bestechungsgelder kommen nicht mehr in Frage.

Tatjana Hoesch: Dann kam wie immer die erste Frage: „Show me you drivers license.“ In dem Moment merken wir beide, dass wir den anderen Rucksack dabei hatten und somit den Führerschein nicht dabei hatten. Ich dachte mir: puhhh, neue Challenge für Dome sich da rauszureden? Gleichzeitig hatte ich den Satz des deutschen Botschafter im Kopf: ach, so lange ihr euren Führerschein dabei habt, sollte alles ok sein. Dieses mal leider nicht dabei, somit waren wir das gefundene Fressen für den unterbezahlten Polizisten. Dieser Polizist hat auch direkt mit einem sehr aggressiven Ton gestartet und Dome kaum aussprechen lassen, sodass Dome die Klassiker unserer Ausreden garnicht ansprechen konnte. Er hat uns gedroht uns mit auf die Wache zu nehmen. Dome hatte irgendwann die Schnauze voll und hat sich nicht mehr mit Freundlichkeiten aufhalten lassen. Wir haben kurz Patrick, den Kanzler der deutschen Botschaft angerufen, um kurz nach unseren Rechten zu fragen, bevor wir mit dem Polizisten auf die Wache fahren. „Außer, dass ihr eine Strafe zahlt und auf die Wache müsst können die nichts mit euch machen“. Mehr oder weniger beruhigt haben wir uns wieder dem Polizisten gewidmet. Er meinte wir fahren jetzt auf die Wache. Da der Polizist aber selber kein Auto hat, ist er bei uns eingestiegen. Komisches Gefühl irgendwie den Polizisten hinten drinnen zu haben im Auto. Wild hat er uns rumdirigiert und dann meinte Dome ziemlich direkt zu ihm: „How about we settle this with a fine?“ Der Polizist war damit natürlich sofort einverstanden, denn auf der Wache hätte er selbst keinen Cent selber bekommen. Der einzige Grund warum er vermutlich vorher nicht gefragt hat ist weil er es mit dem Kollegen neben sich hätte teilen müssen. Wir haben in unserem Rucksack gewühlt, 200´000 LE (€16) rausgeholt und ihm gesagt, dass sei alles was wir hätten. Der Polizist war damit happy und ist ausgestiegen. Auf dem Heimweg wollten uns dann noch 2 mal weitere Polizisten anhalten, Dome hat ihnen aber ihnen aber noch leicht gereizt gesagt, dass ihr Kollege uns eben erst angehalten hat und wir die Erlaubnis haben weiterzufahren. So konnten wir direkt weiter fahren.
Auch wenn alles „gut“ ausgegangen ist, waren wir super unzufrieden, dass wir dieses korrupte System unterstützt haben. Der Polizist ist mit viel zu viel Geld weggekommen und wir hoffen nicht, dass es ein zweites rendez-vouz gibt, da er dann sicher hartnäckig sein wird. Dome hat schon die Sierra Leonische StVO runtergeladen, welche er jetzt drucken will, damit uns die Polizisten uns keinen Schmarn erzählen können, wir auf zumindest wirken als würden wir uns gut auskennen, und den Polizisten jede auf Hoffnung auf Geld direkt nehmen zu können.

Dominique: Ich konnte mich noch ein wenig abregen/ablenken als ich Stefanie getroffen. Stefanie ist eine 39-jährige franco-amerikanerin, die aktuell von Sierra Leone aus arbeitet. Sie hat 10 Jahre lang für die New York times gearbeitet -vor allem zum Thema der europäischen Flüchtlingskrise - und dann, nach ein schmerzlichen Trennung von ihrem Freund, ein Buch geschrieben wozu sie quer durch Frankreich gereist ist um mit 180 Paaren zum Thema „was ist liebe?“ zu sprechen. Sie ist letzte Woche damit fertig geworden ihr Buch, ein Jahr nach Veröffentlichung, neu auf Französisch zu schreiben (sie ist kein Fan von einfach übersetzen). Jetzt arbeitet sie pro Bono für zwei NGOs in Sierra Leone, um ihnen vier Wochen lang mit ihrer externen Kommunikation zu helfen. Sie hat nach einem Stativ gesucht für ihre videos und ich habe ihr meins geliehen, da ich es die nächsten zwei Wochen erstmal eh nicht brauch. Sie ist seit drei Monaten in Sierra Leone und hat hier auch ihren neuen Freund kennengelernt, der für Ärzte ohne Grenzen in Kenema, in den Provinzen, arbeitet. Vielleicht können wir da mal vorbeischauen, wenn wir unsere Provinztour mit den neuen Hockeyschlägern machen.

Dominique: Ihr Buch:
https://www.penguin.co.uk/books/314/314460/amour/9780241406137.html

Tatjana Hoesch: Heute war unser letzter Tag in der Unterkunft, bevor wir heute Abend in das Häuschen von Kevin eingezogen sind, einem deutschen der bei der GIZ arbeitet, wir dürfen für einen Monat umsonst bei ihm im Zimmer wohnen, da er seine Freundin in Zambia besucht. Linus und Mila wohnen noch mit uns, Mila ist der Hund von Kevin. Das Haus ist in der Nähe vom National Stadium gelegen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch bei der Freetown „Mall“ im Supermarkt gehalten. Der Supermarkt wird von Indern betrieben. Wir haben schnell den Spaß am einkaufen verloren, als wir bemerkt haben wie erschreckend teuer die Lebensmittel waren. Da wäre man echt lieber im Coop von St. Moritz einkaufen. Kleines Ratespiel: wie teuer denkt ihr sind diese Produkte? Wenn ihr bereit für die Lösung seid: 10.000 Leones sind circa 80 Cent.

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Dominique: You deleted this message.