20 - (03-Apr-21)

Tatjana Hoesch: @491773526717, uns gibts noch! Die letzten 3 Tage haben wir wieder primär für die Uni in unserer neuen Unterkunft gearbeitet. Da gibt es meistens nicht so viel spannendes zu berichten. Donnerstag haben Sambo, Mike & Mariama nochmal ihr Glück versucht den Sport Minister zu erwischen, um die zwei Unterschriften auf die wir seit Wochen warten zu bekommen. Vergebens. Schon wieder einen Tag warten von 9-17 Uhr. Heute haben wir mit Salis, dem Präsidenten der Hockey association, gesprochen. Er meinte nochmals ganz direkt zu uns, wenn ihr wollt, dass Prozesse schneller gehen, müsst ihr vorher einen Umschlag schicken mit $200-309 sonst tut sich da nichts - genau das, was wir nicht machen werden. Dankeeee. Neben den Präsidenten gehts den Ministern vermutlich also auch nicht so schlecht.

Tatjana Hoesch: Wir haben für uns entschieden, dass Spendengelder zu 100% an den Zweck gehen sollen und in direkter und notwendiger Verbindung mit Hockeyschlägern und dem Platz stehen müssen. Zum Beispiel fallen da Transport übers Meer rein, den Kauf eines Containers vor Ort als Lager für die Vereine oder die Preparierung des Platzes. Kosten für zum Beispiel unsere Website und emails, die private Abholung der Schläger mit einem Sixt Sprinter in Deutschland oder Kontoführungsgebühren zahlen wir selber zu dritt. Wir findens cool, dass 100% jeder Spende wirklich bei dem Zweck ankommt (bei Unicef zum Beispiel gehen ~25 Cent von jedem Euro für Admin drauf) aber das ist natürlich auch ein Luxus den man sich nur als kleine Organisation leisten kann. Wie auch schon mal erwähnt, fragt man sich manchmal ob zahlen nicht die einfachere Lösung ist.
Die langsamen Prozesse & starke Abhängigkeiten frustrieren uns oft sehr und man hat mehr als genug andere Sachen zu tun die mehr Sinn stiften würden. Am Ende zahlt man entweder mit Geld oder seiner Zeit.

Tatjana Hoesch: Gestern nach dem arbeiten wollten wir noch laufen gehen. Motiviert sind wir los gelaufen, doch nach vier Kilometern haben wir gestoppt. Wir hatten das Gefühl, dass die Luft mehr der Lunge schadet als dass das laufen was bringt. Brennender Müll, Sahara Staub & vor allem die ungefilterten Abgase sind nicht ganz vergleichbar mir laufen durchs Appenzell.

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Tatjana Hoesch: Nach unserer kleinen Laufrunde sind wir wieder Tor des Compound angekommen, in dem unsere Unterkunft ist. Der Security guy hat uns geöffnet mit seinem Maschinengewehr in der Hand. Aus Neugierde hat Dome angefangen zu fragen wie man hier eigentlich eine Waffe bekommt. Den Waffenschein muss man einfach für $100 kaufen. Einfacher gehts nur in Amerika. Das einzige was man nicht in Sierra Leone (Legal) bekommt ist die waffe und Munition. Dafür müsste man nach Guinea und die richtigen Personen kennen. Alternativ muss man eine ‚recommendation’ dafür von der Polizei kriegen, dass man die extra Sicherheit braucht. Vielleicht also noch mal 100$?

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Tatjana Hoesch: Der Compund in dem das Häuschen von Kevin steht gehört einem Schweizer Family Office, die 3.5 Milliarden auf der Bank verzeichnen. Thomas, ein Deutscher der die compounds hier verwaltet, meinte zu uns, „da vergessen die schnell mal, dass sie noch Immobilien in Sierra Leone haben.“
Die Anlage wird zu 90% mit Solar betrieben. Die restlichen 10% nachts kommen per Generator, da sie den Strom nicht ausreichend speichern können.

Tatjana Hoesch: Wir haben hier auch Kontakt zu ein paar die bei der GIZ arbeiten. Hier im Office in Freetown sind es um die 15-20 deutsche und die restlichen ca. 100 Mitarbeiter sind Sierra Leoner. Die Arbeitszeiten sind auch super, von 9-5 & das bei einem Einstiegsgehalt von €6100 brutto im Monat. Immerhin reist man damit an spannendere Orte als mit BCG und co.

Tatjana Hoesch: eute haben wir erst für die Uni gearbeitet und am frühen Abend hatten wir geplant mit einigen Trainer die FIH Pro league Spiele Deutschland gegen Argentinien anzuschauen. Bevor wir los sind hat uns Mariama noch geschrieben, dass sie heute den ganzen Tag noch keinen Strom hatte...wir haben uns schon andere Alternativen überlegt, doch dann kam die frohe Botschaft, dass der Strom jetzt doch geht. Etwas mehr als 1h vor Anpfiff sind wir hier losgefahren, doch wir haben es schnell bereut, kein Motorkeke von Anfang an zu nehmen, denn wir standen dick im Stau und Auto ist in dem Fall dann schnell mal langsamer als zu Fuß gehen. Nachdem wir uns dann auch noch ein wenig verfahren haben, haben wir uns entschlossen das Auto einfach an einer Tankstelle abzustellen und sind hinten bei einem Motorkeke drauf mit der Hoffnung noch pünktlich zu kommen. Motorkekes (Motorrad Taxi) sind immer sehr wild unterwegs & man bekommt einen kleinen Hörsturz bei deren wilden Hupen. Also zügig vorwärts ging es, bis er plötzlich stehen geblieben ist und meinte wir wären jetzt da....erfolgreich 15 Minuten in die falsche Richtung gedüst! Danach haben wir ihm den Weg selbst angesagt und sind dann endlich angekommen. Die Coaches waren immerhin alle schon da. Aber wir konnten noch 2 gute Viertel ansehen + anschließenden penalty shootout der Damen. Danach haben wir noch die erste Hälfte vom Herrenspiel Deutschland gegen Argentinien geschaut & ihnen Fragen beantwortet. Dinge wie kurze Ecken, lange Ecken oder auch Selfpass kennen sie hier garnicht. Anschließend haben wir uns noch ein Motorkeke genommen & sind wieder zu unserem Auto und dann nach Hause.

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