21 - (06-Apr-21)

Dominique: You deleted this message.

Dominique: You deleted this message.

Dominique: Wir hoffen ihr hattet schöne Ostern. Dadurch dass es auch hier Feiertage waren haben wir die Zeit genutzt um für die Uni zu arbeiten. Abends hatten wir dann doch unerwartet zwei kleine Highlights.

Dominique: Das ganze ging los als Sambo uns am Sonntag anrief. „Have you seen my message?“. Mobiles netz hatte wieder an dem Tag nicht funktioniert, deshalb leider nein. „I would like to take you to a, mmm, cultural event. Are you excited?“. Tanz? Musik? Wir waren nicht ganz sicher was uns erwarten würde. Uns gegenseitig angrinsend waren wir aber schon aufgeregt Sambo jetzt da schon wieder für uns auf Lager. 30 Minuten später funktionierte das Netz wieder und uns erreicht folgender Flyer.

00000814-PHOTO-2021-04-07-04-15-01.jpg

Dominique: Was ist ein Bubu Dance?

Dominique: Die Party ist im Old Skool club, der direkt angrenzend zum Hockeyplatz von den Hill Station Hockey Rangers ist. Der Club erinnert aber etwas mehr an eine große Villa. Die Partys werden im Hof geschmissen, wo auch der Pool ist. Der Eingang ist auch direkt hinten rum. Sambo hat uns jetzt erzählt dass sie angeblich ganz am Anfang da sogar im Hof hockey gespielt haben. Wir konnten uns das kaum vorstellen da wirklich nicht viel Platz ist. Wir haben aber drei mal nachgefragt ob’s wirklich genau hier war und Sambo meinte ja. Vielleicht war’s wie bei den Grizzlies wo wir ganz am Anfang auch nur zwei gehen zwei gespielt haben.

00000817-PHOTO-2021-04-07-04-17-04.jpg

Dominique: Die Party war auf jeden Fall extrem lustig. Auch wenn wir etwas in Stimmung kommen mussten erstmal, da wir davor etwas müde waren. Wir waren die einzigen weißen, was in dem Sinne nett war dass wir die volle Packung Integration mit sambo und co erleben. Dennoch kriegt man zugleich auch manche irritierte Blicke zugeworfen. Der DJ hat uns auch sehr freundlich begrüßt und sein Pult überraschend lange verlassen. Als er zurück war hat er mit uns mit seinem gold farbenen Mikrofon, welches er dauernd bei sich hatte, der ganzen Party angekündigt. Das hat er allerdings bei gefühlt jeder Person gemacht mit der er sich mehr als zwei Minuten an dem Abend unterhalten hat. An der Bar fragte uns Sambo was wir wollen. Tata hat es mit Gin Tonic versucht, aber da gab’s auch nur von Sambo einen irritierten Blick. Effektiv konnte man zwischen Amstel und Star Bier (lokale Marke) wählen. Sambo’s Frau war auch noch dabei. Mike hat mit ihr etwas forsch getanzt, sodass ich aus Spaß meinte “Mike, Mike, this is not your wife” - “Haha no, this is my sister”. Äääh was? Anscheinend ist Sambo’s Frau die Schwester von Mike. Ich weiß aber nicht, ob dass die Tanzmoves angebrachter macht. Sambo hat allerdings noch mal intensiver mit ihr getanzt.

Dominique: Wir haben auch endlich herausgefunden was Bubu dance ist. Bubu wird von einer Live-Band gespielt, die aus etwa 6-10 Personen besteht. Diese "Bubu-Band" verwendet selbstgebaute Instrumente, welche zusammen sich anhört wie eine Blaskapelle, mit wenig Abwechslung in den Tönen. Normalerweise wird Bubu über einen längeren Zeitraum 15 Minuten bis mehrere stunden hinweg gespielt. Diese Instrumente sind eine Mischung aus Bambusflöten unterschiedlicher Länge, Vergaserrohren, Trommeln, Shakern, Kuhglocken und Holz. Die Flöten, die alle einen einzigen Ton erzeugen, erzeugen eine mehrstimmige Melodie, wenn sie gleichzeitig gespielt werden. Die Trommeln variieren in Größe und Spielweise. Ein Beispiel ist der Bass, eine große Holzkiste, die gespielt wird, indem man ein Tuch um die Faust wickelt und die Trommel mit Wucht zuschlägt. In unserem Fall sind wir dabei mit gefühlt der ganzen Party um den Pool getanzt, was überraschend viel Spaß gemacht.

00000821-PHOTO-2021-04-07-04-23-57.jpg

00000822-PHOTO-2021-04-07-04-23-57.jpg

00000824-PHOTO-2021-04-07-04-23-58.jpg

Dominique: Lowlight war unter anderem mal wieder die Toilette. Das Foto tut dem ganzen nicht ganz Gerechtigkeit. Es stand 3-4 Zentimeter hohes “Wasser” in den Kabinen der zwei Toiletten, die für die ganze Gesellschaft von sicher 800 Leuten herhalten musste. Zum Ende der Party haben wir nur gesehen, wie Mädchen und Jungs einfach nur vor dem Stall in den Flut gemacht haben. Beim ersten mal sind wir in den Stall gegangen und hatten einfach gehofft, dass unsere Sohlen hoch genug sind. Beim zweiten mal wo wir mussten sind wir tiefer in den Flur gegangen, weil es die hygienischste Option war. Zuhause angekommen hörte ich dann nur von Tata “Oh warum sind meine Socken so Nass” - kurze Denkpause - “oh bwäääh”. Da hatte ich wohl gerade noch Glück mit meinen Sohlen.

Dominique: Montag:

Gestern erwarteten wir eigentlich wieder, dass es ein reiner Arbeitstag ohne Erwähnenswertes werden würde. Dazu waren wir auch auf einem ziemlich guten Weg bis wir Sambo uns dann schrieb, dass er uns gerne zu sich einladen möchte für ein Familydinner. Wir fühlten uns sehr geschmeichelt, dass wir uns jetzt schon so gut verstehen, dass er uns schon seine Familie nennt. Es war aber tatsächlich seine ganze Familie plus uns, wo wir uns dann eigentlich umso mehr gefreut hatten eingeladen zu sein. Ich versuche bei Google Maps immer alle wichtigen Orte wie Trainingsplätze, Büros, oder Wohnungen der Coaches einzutragen. Das hatte ich auch mit Sambo’s kleinem Geschäft un seinem Haus gemacht. Am Telefon hat er uns gefragt, ob er uns irgendwo abholen soll oder wir von alleine zu ihm finden. Ich meinte, dass wir es direkt zu ihm schaffen würden wovon er positiv überrascht war. Leider war der placemark den ich auf google maps gesetzt hatte doch etwas daneben und ohne Internet war es in der Dunkelheit dann doch nicht so einfach. Nach 20-minuten musste ich dann doch meinen Stolz begraben und Sambo anrufen, ob er uns an der Brücke abholen kann. Tata hat gesagt, dass der Weg von da wirklich nicht sehr einfach gewesen seie.

Dominique: Worauf wir - und vor allem Tata - uns am meisten gefreut hatten waren Samira und Conny wieder zu sehen. Samira ist Sambo’s Tochter und Conny ist der Hund den Sambo vor drei Wochen wie ein Kagummi aus dem Autofenster gekauft hat. Conny kam uns direkt entgegen getappt, als Sambo die Tür aufschwang. Sein Kopf hat sich gefühlt kaum verändert und den süßen Blick hat er nicht verloren. Aber sein Körper… Conny ist wirklich unglaublich dick geworden. Sambo sagt, dass er ihm eigentlich nur Milch und ab und zu die Essensreste von der Familie gibt. Als nächstes sahen wir dann Samira. Und da müssen wir echt sagen, dass sie zwar auch ähnlich süß geblieben ist, aber wirklich auch für ein baby ordentlich zugenommen hat. Vielleicht kam es ihr bei uns aber auch nur so vor.

00000833-PHOTO-2021-04-07-04-34-27.jpg

Dominique: Das essen war um neun Uhr angesetzt. Wir hatten Verspätung und waren erst gegen 9:50 in der Gegend und um 10:15 bei Sambo zuhause. Dementsprechend waren wir echt besorgt, dass jetzt die ganze Familie von Sambo auf uns gewartet hätte. Glücklicherweise hatten wir mal wieder das afrikanische Gefühl für Zeit unterschätzt. Sie hatten noch nicht mal angefangen zu kochen. Sambo und vier weitere Männer standen die ersten 45 Minuten noch im Kreis um den Stromzähler. Der verursachte noch Probleme, sodass es keinen Strom gab. Um 11.30 gabs dann endlich essen. Vorher wurde noch gebetet und alle haben sich im kreis vorgestellt (vermutlich uns zu liebe). Wir waren vielleicht 15 Leute. Vor allem warens Sambo’s Brüder, seine Schwester und ihre Kinder. Gabriel, der ehemalige Waisenjunge den Sambo bei sich aufgenommen hatte, war natürlich auch dabei. Wir haben uns sehr gefreut dazu eingeladen zu werden. Es waren wirklich nur die engste Famliie - und den Elektriker. Den haben sie anscheinend auch noch eingeladen, als er um 11 Uhr abends den Stromzähler wieder zum laufen bekommen hat. Er ist auch einfach bis halb 2 geblieben und hat sich erst dann höflich verabschiedet, wo ich auch echt baff war, dass er so lange geblieben ist, dafür dass er wie ich es verstanden habe eigentlich niemanden kannte. Die Leute haben hier zum teil einfach ein anderes Verhältnis zu wie sie mit ihrer Zeit umgehen, aber von ihrer Freundlichkeit und offenheit mit anderen Menschen und vor allem fremden umzugehen können wir deutsche/Europäer echt eine Scheibe abschneiden. In Deutschland wäre man eher noch sauer auf den Elektriker gewesen, dass er den Stromzähler nicht vorm Familienessen repariert bekommen hat.

Tatjana Hoesch: Während wir (die Männer und ich) auf das Essen gewartet haben, standen alle Frauen in der „Küche“ (in der einen Ecke vom Raum, wo sie das Essen verteilt haben). Die Rollen waren ganz klar verteilt: Männer sitzen, warten ab und kommen auf garkeinen Fall auf die Idee irgendetwas zu helfen. Als Sambo uns tagsüber eingeladen hatte zu seinem Oster Family Dinner und wir nachgefragt hatten was es denn zu Essen geben würde meinte er: Chicken. Aber als der Riesen Teller zu uns kam, war zwar auch ein bisschen Chicken dabei, aber es war wirklich ein Mix von Allem: Couscous, afrikanische Nudeln, italienische Nudeln, Würstchen, Tomaten und ganz viel Mayo. Mit großem Hunger, denn es war mittlerweile 23 Uhr, ging das Speisen los. Der Teller war schnell verputzt, auch wenn Dome der kleinen Aisha noch nebenbei gefüttert hat. Vor dem Dinner hatte Sambo schon Riesen Musik Boxen vorbereitet. Als alle mit dem Essen durch waren, wurden dann schnell der Tisch zur Seite geräumt und Sambo hat seinen eigenen Mix aufgelegt. Dann ging es los und alle haben Shaky shaky gemacht. Im sierra leonischen Englisch werden Adjektive häufig doppelt gesprochen. So sagen sie viel: small small, cheap cheap, usw. Wenn Dome dem Sambo bspw. etwas zu wild das Auto fährt sagt er „Small small Dominique“.

Tatjana Hoesch: Dann ging es los mit shaky shaky, die Frauen hier können wirklich beeindruckend gut mit ihrem Po shaky shaky machen. Auch Patrick, der 10-jährige Sohn von Sambo, und Aisha die 2-jährige Nichte haben mitgemacht. Hier hören sie sehr viel nigerische Musik, aber auch ihre eigene. Beim Mix von Sambo war von beidem was dabei. Doch ab einem gewissen Punkt kam nur noch ein Lied in Dauerschleife: Allow me to enjoy myself, Sambos Lieblingslied. Auch wenn es ein good vibes - Lied ist, sind Dome fast die Augen zugefallen. Nach einer Weile sind wir dann auch gegangen, Sambo und Mike haben uns noch zu den Keke´s an der großen Straße begleitet, da es nach 12 war und die „Bad Boys“ around sind. Heute habe ich den Sambo gefragt, was er mit Bad Boys meint und in wiefern sie „gefährlich“ sind. Er meinte es gäbe schon ein paar Diebe, aber sehr gewaltlos und dann betonte er auch nochmal, dass sie ein sehr sicheres und offenes Land seien.

00000838-PHOTO-2021-04-07-04-41-25.jpg

00000840-PHOTO-2021-04-07-04-41-26.jpg

00000841-PHOTO-2021-04-07-04-41-26.jpg

00000844-PHOTO-2021-04-07-04-41-28.jpg

00000845-PHOTO-2021-04-07-04-41-29.jpg

00000847-PHOTO-2021-04-07-04-41-30.jpg

Dominique: Dienstag:

Heute ging es dann nach der Osternbedingten Pause mit der Arbeit fürs Projekt weiter. Wir sind ehrlich gesagt recht demotiviert in den Tag gestartet. Nach genau vier Wochen vor Ort hatten wir echt gehofft, dass wir zumindest den Container mal langsam hätten. Klar, das hat nichts mit uns zu tun. Sachen ziehen sich hier einfach. Aber das macht nicht weniger nervig. Was auch nicht geholfen hat war was wir mit Sambo und Mike in der Schlange zu Party am Sonntag besprochen hatten. Der Sport minister ist angeblich nach unserem letzten Meeting enttäuscht gewesen, dass wir ihm keinen Umschlag mit circa 100-300$ gegeben haben. Angeblich hat er deshalb absichtlich sehr viel Tempo aus der Angelegenheit rausgenommen. Kein vielversprechender Ausblick auf eine Woche, die sich da schon nach sehr viel warten angehört hat. Tata und ich haben Montag noch mal ernsthaft in Erwägung gezogen das Geld einfach zu zahlen. Wir zahlen jeden Tag 40-50€ für die extra Standgebühren im Hafen. Aber zugleich kann man das bestechen auch nicht. zurücknehmen, wenn man ein mal damit angefangen hat. In einem Monat kommen unsere vier vierzig-Fuß Container, um die sich Conny gerade in Deutschland kümmert. Wer sagt, dass wenn wir jetzt damit anfangen es nicht immer so weiter geht?

Dominique: Sambo hat gesagt, dass Salis uns gebeten hatte ihn anzurufen bevor qwir ins Ministerium reingehen. Am Telefon erklärte er uns, dass wir das Geld unbedingt zahlen sollten, um den Container noch zu kriegen. Wir haben unsere Perspektive drauf erklärt wobei er immer wieder betont hat, dass hier die sachen leider einfach so sind. Wir haben vor allem unsere Meinung dazu erläutert, was für Probleme auf uns zukommen könnten, wenn wir unsere Zahlungbereitschaft signalisieren. Er sagt, dass es sich um eine einmalige Zahlung handelt. Da wären wir sehr überrascht von. Es folgte eine 15 minütige Unterhaltung zu Korruption. Wenn es um das Thema geht sagen wir oft, dass wir nicht Bestechungsgelder zahlen können, da es mit deutscher Buchhaltung, die für alles einen Beleg will, nicht kompatibel ist (stimmt auch). Wir betonen, dann meistens auch, dass wir als drei Studenten ohne Einkommen es selbst auch nicht zahlen könnten, sondern nur mit Zeit beitragen können. Das Gespräch mit Salis haben wir dann beendet mit der Antwort, dass wir mal drüber nachdenken werden. Tata und ich haben dann noch mal gesprochen, aber sind dabei geblieben, dass wir zumindest bis Freitag stur bleiben wollen. Das haben wir dann Sambo, Mike und Mariama gesagt, welche dann uns auch noch mal sagen wollten, dass zahlen echt die einfachere Lösung wäre. Das war auf jeden Fall kein Stimmungsmacher für den Tag.

Dominique: Der Start war auch nicht besser. Der Sportminister war nicht mal im Büro. “He’s going to be coming in a bit, just wait here”. Ähh, das kommt uns doch irgendwie bekannt vor.

Dominique: Sambo hat vorgeschlagen, dass wirs beim Deputy Sports minister probieren. Tata und ich waren erstmal überrascht: warum haben wir das nicht vorher probiert? Der hat doch sicher weniger zu tun. Als wir ihn dann gesprochen haben war er auch echt motiviert das Dokument zu unterschreiben und hat die Sekretärin gerufen und gebeten die Mappe zu holen. Oh mein gott, so einfach könnte es jetzt doch klappen? Natürlich nicht. Das Dokument war beim Minister im Auto (?). Er würde aber sicher gleich kommen - kein Zweifel. Tata saß in ihrem Auto und hat an ihrer Bachelor Arbeit gearbeitet. Ich saß wartend auf den Treppenstufen des Ministeriums. Auf ein mal tippt mich die Dame am Empfang an und zeigt die Treppe hoch zum Büro des Ministers, um zu sagen, dass er da seie. Als ich oben stand wurde ich dann aber in das Büro vom Generalsekretär geleitet. Doch kein Minister? Dieser begrüßte mich dann mit den Worten, dass er eine gute und eine schlechte Nachricht für mich hat. Uff. Das letzte mal hatte ich diese Worte vor einer Woche gehört und da war die schlechte Nachricht echt scheiße und die gute Nachricht war nicht wirklich gut.

Dominique: Schlechte Nachricht: Das Ministerium hat keinen Strom und sie können unser Dokument nicht kopieren. Die gute? Der Permanent Secretary machte nur die Mappe auf und zeigt auf das Dokument - mit Unterschrift vom Minister! Bam! Und das keine zwei Stunden nachdem wir angekommen waren. Ich konnte es zuerst kaum glauben. Das ganze war ganz ohne bekannte Formalitäten. Wir hatten ja nicht mal den Minister gesehen. Beschweren tun wir uns da aber auch nicht.

00000854-PHOTO-2021-04-07-04-43-39.jpg

00000855-PHOTO-2021-04-07-04-43-40.jpg

Dominique: Als ich am Auto stand, um Tata das Dokument zu zeigen, kam Dalton der Assistent vom Minister, mit dem wir uns immer gut versanden hatten - er hatte uns zum Beispiel geholfen ins Stadion mit dem Vertrautenkreis des Ministers zu kommen. Es folgte ein 10-minütiger Handschlag während dem wir uns abgewandt von allen im Platz vorm Ministerium auf Flüsterlautstärke unterhielten. “I just wanted to speak to you directly, that we’d very much appreciate a token of appreciation for this”. Ich dachte, dass zuerst, dass er jetzt auch noch für den Minister fragt. Beim nachfragen stellte es sich heraus, dass es hier jetzt um das Sekretärteam vom Minister (sieben Personen), mit dem wir immer im viel zu kleinen Wartezimmer abhängen. Ich habe ihm die oben-erwähntete Situation geschildert mit der Buchhaltung und dass wir drei Studenten leider echt gar kein Geld haben. Während ich echt stark abgeneigt bin dem Minister Geld zu geben war hier meine Perspektive etwas anders. Der Minister nutzt wahrscheinlich schon so seine Position aus um sich die Taschen vollzustopfen für etwas was eh sein Job sein sollte. Zugleich kriegt er auch noch genug Lorbeeren dafür, dass wir einen neuen Sport fürs Land aufbauen wollen. Das Sekretariatsteam ist wahrscheinlich stark unterbezahlt und kriegt zudem noch nicht mal einen Feuchtenhändedruck als Danke. Zugleich haben sie auch einen starken Einfluss darauf wann welche Termine passieren und welche Dokumente der Minister präsentiert kriegt. Zugleich haben sie uns jetzt uns zuerst geholfen, ohne die Gewissheit, dass etwas zurückkommen wird. Ich habe Dalton gesagt, dass es echt schwer ist, aber wir schauen möchten was wir machen können. Unser Plan ist es dem Team von sieben jeweils umgerechnet 10$ (insgesamt 700.000 Leones) zu geben. Wir warten aber noch zwei Tage um zu signalisieren, dass es echt nicht einfach sei für uns und Erwartungen niedrig zu halten. Komplett sauber kommen wir also nicht hier raus - ich fühle mich sehr viel wohler mit diesem Outcome als dem Minister Geld zu geben. Ihr könnt für euch selbst entscheiden ob das der richtige Weg ist. Wie würdet ihr euch in der ganzen Situation verhalten? Würde mich sehr für eure Meinungen interessieren, gerne sonst auch per privatnachricht.

Dominique: Interessant übrigens: die tatsache, dass der deputy das Dokument unterschreiben wollte war angeblich der Grund, dass der Minister das Dokument so schnell selbst unterschrieben hat. Er wollte angeblich sicherstellen, dass es seine Unterschrift auf dem Dokument ist. Dafür ist angeblich extra ins Büro gekommen heute. Wir wissen noch nicht wie das zu interpretieren ist und ob da vielleicht noch was auf uns zukommt.

Tatjana Hoesch: Mit dem endlich vom Minister unterschriebenen Bill of Lading sind wir zu unseren Custom Agents in den Osten der Stadt gefahren. Der etwas wildere Stadtteil. Mittlerweile haben wir uns so sehr an den Verkehr gewöhnt, sodass es uns garnicht mehr stört, wenn einer mit seinem Moped in unser Auto fährt oder den Seitenspiegel halb mitnimmt. Anders als in Deutschland, wo angehalten wird, Kontaktdaten ausgetauscht werden und man sich mit seiner Versicherung auseinandersetzt. Heute zum Beispiel ist ein Moped Fahrer in uns reingefahren, als wir standen. Er war aber irgendwie auf unserer Spur, dann wird mal kurz agressiv aufs Auto gehämmert und wild geschrien, aber spätestens nach 30 sec sind alle schon wieder weiter im Verkehr.

00000859-PHOTO-2021-04-07-04-44-50.jpg

Tatjana Hoesch: Bei den Custom Agents angekommen, hat uns Mennah in das Büro des Manager geführt, indem wir schon einige Zeit mit Verhandeln und warten verbracht haben. Auch das Büro in dem wir beim ersten Besuch dieses dreist hohe Angebot den Container zu bekommen für 30,000,000 LE vom Manager erhalten haben. Dome fand den Manager schon ab dem ersten Tag wahnsinnig unsympathisch, nachdem er während er mit dem Dome spricht mit einer Hand auf dem Tisch rumtapst und dann den Fernseher im Hintergrund anmacht. Die gute Nachricht aber war, dass auch unser Duty waiver im System bestätigt wurde. Nach 3 Wochen - endlich & das ganze ohne Bestechung! Nun haben wir alle Dokumente und Unterschriften zusammen, welche wir benötigen, um den Container zu bekommen. Wir haben auch schon die Zahlung für die Shipping line vorgenommen, so blieb nurnoch ein Restbetrag, den wir logischerweise erst zahlen wollten, sobald wir auch den Container haben. Doch mal wieder falsch gedacht. Der unsympathische Manager hat uns gesagt, dass wir den gesamten Restbetrag zahlen müssten bevor wir den Container bekommen. Dann hat Dome fairer Weise nachgefragt ob man nicht normal Geld gegen Container tauscht. Doch der Manager meinte nur, dass er den Prozess nicht vorfinanzieren kann, wobei wir uns ziemlich sicher sind, dass er das kann bei den Taschen voll Geld die er da über seinem Tisch rumschiebt. In solchen Situationen ist es manchmal komisch, wenn Sambo und Mike anfangen zu lachen. Sie haben es uns auch nochmals versucht zu erklären, dass man es hier so macht Geld zu zahlen ohne jegliche Dienstleistung erhalten zu haben. Dann ging es zum nächsten Thema, der Kauf eines Containers als Lager. Der Manager hat uns einen angeboten für 21,000,000 LE zu kaufen, doch wir hatten bereits ein anderes Angebot für 19,000,000LE. Dankend hat Dome sein Angebot abgelehnt mit dem Argument, dass wir ein besseres Angebot haben, bei dem wir vermutlich auch noch etwas runterhandeln könnten. Dann wurde die Stimmung schon wieder unangenehm, weil Sambo und Mike meinten im Raum lachend wir müssten die relationship pflegen mit dem Custom Agent. Dome ist an dieser Stelle direkt eingesprungen und hat betont „Business relationship“, da die Custom Agents wirklich nicht unsere Freunde sind und uns in keiner Weise geholfen haben. Schlimmer wurde es dann noch als Sambo und Mike zu Dome meinten er solle sich noch bei dem Manger bedanken. Ein bisschen schmunzeln musste ich schon, als Dome da saß innerlich am sprudeln und sich dachte für was er sich jetzt bei diesem respektlosen Typen bedanken sollte. Ganz ruhig meinte er dann ganz brav: „Thank you for ehm your time and patience.“ Das erste was Dome zu mir gesagt hat, als wir das Büro verlassen haben: „Mit denen arbeiten wir nie wieder zusammen.“ Dann ging es zum Auto.

00000861-PHOTO-2021-04-07-04-45-50.jpg

00000862-PHOTO-2021-04-07-04-45-50.jpg

00000863-PHOTO-2021-04-07-04-45-51.jpg

Tatjana Hoesch: Dann sind wir noch zum Ministry of Lands gefahren um den Stand zu dem Stück Land noch abzuklären. Sambo hinterher sind wir dann in ein Büro und haben uns gesetzt. Das Meeting verlief so, dass Sambo zu der Person dessen Büro es war meinte: „And who are you again?“ Und er dann geantwortet hat: „The Director of housing“. An dieser Stelle war ich schon etwas verwirrt und habe versucht den Zusammenhang zu unseren Stück Land zu verstehen?!? Dann meinte Sambo: „Are you alone in this office?“ (Es war offensichtlich nur ein Schreibtisch und 2 Coaches in diesem Raum). Dann meinte Sambo: „Ohhh, mmm, I think we have to talk to someone else. I gonna call him“. Leider ist keiner dran gegangen, nach 30 Sekunden Stille in dem Büro meinte Sambo dann aus dem nichts zu dem Director of Housing, „so how are you today?“. Nach 10 Sekunden awkward smalltalk folgten dann 10 Sekunden erneute Stille gefolgt von einem „I think we should look for this other person.“ - Gutes Meeting.
Danach haben wir dann doch noch den richtigen gefunden. Outcome: Come again tomorrow. Business as usual.

00000865-PHOTO-2021-04-07-04-46-27.jpg

00000866-PHOTO-2021-04-07-04-46-47.jpg

00000867-PHOTO-2021-04-07-04-47-51.jpg

00000868-PHOTO-2021-04-07-04-48-11.jpg

00000869-PHOTO-2021-04-07-04-48-12.jpg