26 - (14-Apr-21)

Tatjana Hoesch: Mit Regen in der letzen Nacht und einer leichten Brise war das Klima heute sehr angenehm. Heute früh wollten wir mit Salis dringend zum Stück Land sprechen und auch seine Meinung einholen. Mike hatte uns angerufen und meinte wir können uns um 10 Uhr am National Stadium treffen. Sambo, Mike und Mariama sind vereinzelt eingetroffen. Salis war noch nicht in Sicht, anscheinend war er wohl noch beim Ministry of Lands für andere Themen. Wir nahmen unsere klassischen Chill/Warteposition im Auto ein mit beiden Türen offen, damit man nicht in der Hitze eingeht. Dann kam Sambo an der Tür vorbei und grinst uns an. Nach kurzer Zeit meinte er: „I have something for you Tata, it is Ice Cream, Dominique you should also try it“ & packt einen Becher aus seinem Rucksack. Er meinte es sei Cous Cous Ice Cream, es war aber weder eis noch war da drin Cous Cous. Dennoch war der gekühlte leicht süße Milchreis sehr lecker. Später kam noch ein verwirrender und vermutlich betrunkener Mann an unser Fenster mit dem der Dome sich „unterhalten“ hat. Nach dem Gespräch kam er dann auch nochmal an meine Seite und hat uns Bonbons geschenkt. Dann haben wir gemeinsam mit Sambo Cassava Leaf zu Mittag gegessen, in dem „Restaurant“ am National Stadium. Mike und Sambo haben beim essen noch Mariama geneckt, dass sie während Ramadan nichts essen darf. Mike und Sambo sind meistens guter Dinge und grinsen sich gemeinsam einen ab. Zwei richtige Kichererbsen. Vor allem im Auto auf der Rückbank. Auch in Situationen wo uns garnicht zu lachen ist, können sie sich manchmal nicht zurückhalten - vielleicht ganz gut. Sambo hat auch vorgeschlagen, dass wir alle gemeinsam einen Tag Fasten. Das bedeutet: Kein Wasser und Kein Essen zwischen circa 5 und 19 Uhr. Gestern hat er noch rumgewitzelet, wenn wir wollen, dass sich der Duty Waiver schneller klärt und das Problem mit dem Platz sich auch klärt, sollten wir alle gemeinsam fasten. Wenn das der Fall wäre, würden wir glaube ich alle freiwillig viele Tage fasten dafür. Dann kam auch endlich Salis zu uns.

Tatjana Hoesch: Nachdem er sich dann zu uns gesetzt hat, ging es zum Thema. Dome hat ihm direkt unsere Bedenken zu dem Stück Land gesagt. Salis ist wie Sambo und Mike ehre Optimist und sagt, dass mit einem Bagger alles möglich sei. Er meinte ein Bagger bräuchte 7-8 Tage („It will work Day and night“) um das Land zu begradigen und meinte dies zu 850$ pro tag innerhalb von 7-10 tagen möglich sei. Die Kosten für die Arbeiter sind circa 30 pro tag. Auch zu der fehlenden Straße, die zu dem Stück Land führt, meinte Salis das wäre kein Problem. Aber wie kann man tonnenschwere 40´Container und weiteres Material zu einem Stück Land bringen, zu dem keine Straße führt?

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Tatjana Hoesch: Naja, wir sind dann nochmals gemeinsam mit Sambo, Mike, Mariama und Salis in Richtung des Stück Landes gefahren. Wir hatten auch einen Termin mit einem unserer Bauingenieur Kontakte, Alusine, ausgemacht, welcher uns mit seinem Kollegen in seinem Auto hinterher gefahren ist. Uns war es wichtig die Straße, die zu dem Stück Land führt oder zumindest in die Nähe einmal selber zu fahren. In einer dreier Kolonne sind wir dann Salis gefolgt. Als wir von der guten von den Chinesen gebauten Straße abgebogen sind, ging es los. Anfangs war es noch in Ordnung, doch dann wurde die Fahrt etwas wilder. Die Straße war an sich ok und zu Anfang hatten wir noch einen Benzintransporter mit 40.000 Volumen vor uns gesehen. An einigen stellen fragten wir uns doch, ob hier ein LKW wirklich durchkommt.

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Tatjana Hoesch: Das wandern auf dem Land tat mir für Mariama echt leid. Sie konnte bei praller Hitze nichts trinken und hatte dazu noch sehr ungünstiges Schuhwerk an. Ich bin mit ihr etwas langsamer gegangen. Als ich oben angekommen bin war Dome bereits im Gespräch mit Alusin, dem Ingenieur und die beiden betrachteten den Hügel. Auf die Frage von Dome: „Is it Medium, hard, very hard or impossible to build a hockey Pitch here?“, antwortete Alusin very hard. Wir gingen mit ihm einige grobe Berechnungen durch - vor allem für Begradigung und Zementierung. Alusin hat uns auch eine gute Idee davon geben können, was wir an Maschinen und Material bräuchten, um dieses Stück Land zu begradigen. Bei dieser hügeligen Gegend, müsste man zusätzlich eine Schutzmauer/Auffangmauer gegen Erdrutsche bauen, welche insbesondere in den letzten Jahren ein großes Problem waren. Dann haben Dome und er das Szenario einmal durchgerechnet. Ein Bagger kostet laut Alusine 1000-2000 Dollar am tag und wir würden ihn für 7-14 tage brauchen. Andere Maschinerie würde auch noch dazu kommen. Die Zementierung müsste auch dicker ausgefallen: anstatt 3-6 cm bräuchte man eher 10 cm. Bei ~6000 Quadratmetern ist das echt viel Zement der dazukommt. Die Anlieferung von Sand, Granulat und Zementsäcken könnte bei der Location auch etwas teurer ausfallen.

Tatjana Hoesch: Wir können Alusin’s Meinung natürlich auch nicht prüfen, aber es hat sich auch gut angefühlt mit ihm ein paar konkrete Zahlen, die sich etwas fundierter anfühlen, durchzugehen. Es schien uns auch so als würde auch er die Probleme sehen und nicht nur die Lösungen die man ohne Budgetbeschränkungen umsetzen könnte - aber vielleicht sind ja auch wir die Pessimisten und haben einfach noch jemanden gefunden der genauso denkt?

Tatjana Hoesch: Dann kam Sambo und meinte, dass wir uns die Straße anschauen sollten, die zu dem stück Land führt. Unsere Befürchtungen, dass die Straße zu Steil und geröllig ist bestätigte Alusin. Mike und Salis hatten noch andere Ideen. Wir gingen mit ihnen noch zu einer weiteren Straße. Allerdings war dies nur eine Straße die dann doch aufhört bei einer bestimmten Stelle. Salis hat uns noch eine weitere Straße gezeigt und meinte, wenn ein Bagger dort einmal durchfährt, dass es klappen sollte. Auch da war Alusine eher anderer Meinung. Ich denke am Ende ist der wirkliche Unterschied, dass Sambo & Mike eher oft einfach die Frage beantworten „Könnte es irgendwie klappen?“ Und wir mit der Einstellung reingehen „Klappt es mit unserem Budget“? Für sie ist es sicher auch sehr schwer zu verstehen, was unser Budget eigentlich ist und was viel ist und was nicht. Da kann man ihnen ja eigentlich keinen Vorwurf machen - woher sollen sie das auch wissen?

Tatjana Hoesch: Dome hat mit den dreien noch mal gesprochen, wie unser Budget ungefähr aussieht. Er hat vor allem noch mal den Punkt betont, dass es auch um Effektivität von Resourcen geht. Auch wenn wir das zehnfache an Geld hätten müssen wir uns auch fragen, ob wir damit wirklich den Leuten am besten helfen oder ob das Geld nicht anders besser angebracht sei. Salis sagte „Despite the costs this is ideal“. Stimmt ja irgendwie: ein eigenes Stück Land zu besitzen, auf dem der Platz dann steht wäre wirklich ideal. Aber vielleicht ist das ein „Luxus“ auf den wir verzichten sollten, um wirklich effizient zu bleiben. Noch besser wäre es natürlich ein anderes Stück Land von der Regierung zu erhalten. Das ist wie wir es aktuell einschätzen, aber eher unrealistisch und würde eher für wenig Output viel Zeit kosten. Wir werden uns jetzt auf andere Lösungen konzentrieren. Es fühlte sich auch irgendwie gut an, ein klares „nein“ von Alusin zu erhalten, durch die Kosten die er nannte. Schwieriger wäre es gewesen, hätte er eine Zahl berechnet, die das doppelte unseres Budgets für die Begradigung und Präparierung gewesen wäre. Dann wären wir in einer Situation, wo wir uns jetzt fragen würden, ob wir es nicht versuchen sollten. Da bei Bauprojekten eher noch Kostenpunkten dazukommen als wegfallen wäre das aber eher mit mehr Risiko behaftet.

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Tatjana Hoesch: Das Team möchte gerne noch mal die zahlen verstehen bevor wir eine endgültige Entscheidung treffen. Das werden wir morgen mit ihnen machen. Dominique hat noch mal alles in einer Excel aufbereitet, was für uns auch noch mal gut war und uns hilft die Schätzungen für ein potenziell gerades Stück Land genauer zu verstehen. Zudem haben vor allem Sambo und Mike echt viel Zeit reingesteckt, um das Land erstmal zu kriegen. Da wäre es auch uncool das ganze einfach damit abzuschliessen, dass wir einfach sagen, dass es zu teuer wird. Sie auch noch mal durch die Rechnung zu führen hilft auch, damit sie die Situation verstehen. Wäre bei uns ja auch nicht anders.

Tatjana Hoesch: Nach dem Besuch des Stück Landes ging es zur British High Commission (Botschaft) zum wöchentlichen Floorhockey mit der Expat Community. Während Dome die ganze Zeit über einen Call hatte, habe ich mitgespielt.