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Tatjana Hoesch: Dienstag 20. April
Am Dienstag haben wir wieder von zuhause gearbeitet und eigentlich auf den Anruf von unseren Custom Agents gewartet, da sie uns ja ein „we do it first thing in the morning“ zugesichert haben. Nachdem von ihnen kein Anruf genommen ist, haben wir das Telefon zur Hand genommen und den Manager unserer Custom Agents angerufen. Nach einem rumdrucksen wieso sie es jetzt noch nicht gezahlt haben und das wiederholte: „we need you to pay us“, obwohl sie für alle anstehenden Zahlungen noch genug Geld von uns hatten ist Dome etwas lauter am Telefon geworden und hat den Manager nochmal richtig zusammengeschissen. Erneut enttäuscht, wobei zu dem Zeitpunkt wir unsere Erwartungen an ihre Aussagen etwas runtergeschraubt haben ging der Tag zu Ende. Estelle hatte nochmals mit einem kräftigen Ton mit ihnen gesprochen was uns mehr Zuversicht gegeben hatte den Container tatsächlich am nächsten Tag zu erhalten.

Tatjana Hoesch: Mittwoch 21. April
Auf ein neues sind wir wieder mit Hoffnung den Container endlich rauszubekommen in den Tag gestartet. Sambo und Mike waren schon ab 10Uhr im Hafen. Wir wollten eigentlich unsere Custom Agents ihren Job machen lassen, um dann zum finalen Anruf in den Hafen zu kommen. Bevor ein Container den Hafen verlässt müssen die Besitzer gemeinsam mit Leuten von der NRA den Container öffnen um den Inhalt einmal zu betrachten und dann kann er rausgefahren werden. Bei uns war das etwas anders. Zunächst wussten wir wirklich nicht was unsere Custom Agents gemacht hatten, aber sie haben Sambo beauftragt uns zu sagen, dass wir jetzt in den Hafen kommen müssten. Also ab aufs Okada (Motorbike Taxi) damit wir schneller durch den Stau im Osten der Stadt kommen. Dort angekommen mussten wir nochmal weitere 20 min auf Sambo warten, damit er uns am Eingang abholt. Auch waren wir uns nicht der Kleiderordnung des Hafens bewusst und mussten uns eine Warnweste kaufen und konnten uns lange Hosen ausleihen. Einer Person von uns beiden hat sie besser gepasst als der anderen. Noch einen Eintritt bezahlt im Gegenzug zu einer kleinen ID card. Fertig eingekleidet ging es los.

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Tatjana Hoesch: Unten angekommen haben wir unsere Custom Agents getroffen. Mennah, die hauptsächlich für uns zuständig war, war zwar anwesend aber hat sich stark in den Hintergrund gehalten. Sie war auch diejenige verantwortlich für die Fake Rechnung im Namen des Hafens. Sie hat auch extra ihren Bruder mitgenommen, da sie vermutlich schon ängstlich gegenüber der Konsequenzen war. Mennah hatte eine bekannte Zollagentin (Lovetta), welche wir schon vorher gesehen hatten, mitgebracht, um ihre Aufgaben zu erledigen. Eigentlich sollten wir wirklich nur dort sein, um den Container zu öffnen und rauszuholen, aber dann ging es ins erste Büro, in dem wir eine Freigabe gebracht haben. Loretta hat uns gebeten mit ins Büro zu gehen. Im Vorraum haben uns die Angestellten gesagt, dass wir zu spät wären. Auf diesen Kommentar hin, hat Lovetta uns gesagt, dass wir zum Chef ins Büro gehen sollen und ihn bitten sollten uns doch noch mit aufzunehmen. Im Büro vom Chef haben wir ihm erzählt, dass es sich bei dem Inhalt des Containers, um gespendetes Hockey Equipment handelt für die Kinder und Communities hier. Daraufhin hat er uns doch noch das nötige Dokument unterschrieben. Danach ging es weiter ins Büro nebenan zu der NRA. Dort haben wir auf eine Freigabe in deren System gewartet von deren Seite, was genau weiß ich nicht. Ungewohnterweise wurden wir dort gebeten Masken anzuziehen. Etwas komisches Gefühl, wenn die das häufig in Situationen verlangen in Räumen in denen keiner eine Maske weit und breit trägt oder im eigenen Auto, wenn man zu zweit fährt. Was ich aber nicht vergessen werde ist Sambos Kommentar: „oh, busy office.“ Ich habe mich umgedreht und das einzige was ich gesehen habe waren Mitarbeiter die entweder gegessen und geredet haben oder die Filme und Handspiele gleichzeitig gespielt haben.

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Tatjana Hoesch: Sie haben sich gerne auch selber als Hintergrundbild

Tatjana Hoesch: Film + Candy Crush zocken in der Arbeitszeit

Tatjana Hoesch: Der hier hat sich interessante Videos über Umweltfreundliche Jeeps angeschaut

Tatjana Hoesch: Im Hintergrund ist Lovetts zu sehen.

Tatjana Hoesch: Sambo & Mike waren sehr aufgeregt

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Tatjana Hoesch: Auch hier haben wir es nach kurzer Zeit geschafft einen Schritt näher zur Freigabe zu kommen. Dann hat Lovetta uns tuscheln gefragt und meinte, dass der General Manager des Hafens der Mann unserer Freundin Estelle sei. Er könne uns helfen den Container schneller aus dem Hafen zu bekommen. Wir haben uns beide angeschaut und dachten oh nein wie unangenehm, wenn die jetzt etwas von Bertraud möchten. Aber da war es schon zu spät. Als wir wieder durchs Gate bei ihm vor dem Büro waren, stand er da bereits mit Lovetta. Aber aus Sicht der Custom Agents ging es nach hinten los. Betraut ist ein etwas älterer Herr, der vor seinem Job als GM des Hafens viele Jahre auf Container Schiffen gearbeitet hat u.a. als Co-Captain. Nun ist er schon seit mehreren Jahren in Sierra Leone. Betraud hat direkt mit einem sehr sehr starken Ton losgelegt. Zu Beginn war ich richtig eingeschüchtert über den Ton wie er mit Leuten spricht, aber habe schnell gemerkt, dass das der Ton ist den man in manchen Situationen braucht um etwas zu bewirken. Über Estelle war er natürlich über den ganzen Prozess eingeweiht. Er hat schnell festgestellt, dass die Custom Agents immer noch nicht alle Rechnungen bezahlt haben. Wieder ein Moment in dem wir dachten, dass es schon wieder nichts werden würde mit dem Container an dem Tag. Aber zum Glück hat er es trotzdem zugelassen und ihnen gedroht, dass wenn er nicht die Zahlung am nächsten Tag um 12 Uhr bekommt, er die Custom Agency im Hafen sperren wird. Dann ist er noch mal zum Thema fake Rechnung gekommen, welche im Namen des Hafens erstellt wurde. Sätze wie: „You people like to chug chug money.“, „I will block your agency“, „Tell me with how many people you come tomorrow, than I can organize the transport to Pademba (das Gefängnis in Freetown) for you.“ Damit Dinge in Sierra Leone, wie beispielsweise einen Hafen zu führen, funktionieren wo so viel Korruption im Spiel ist und Custom Agents anfangen fake Rechnungen zu erstellen, braucht man genau solche Personen, die knallhart nichts durchlassen, wenn man wirklich etwas ändern will. Personen wie unsere Custom Agents sind genau der Grund, weshalb sich das Land hier nicht entwickelt.

Tatjana Hoesch: video omitted

Tatjana Hoesch: Fortsetzung folgt!